Deshalb haben sich Juristen coachen lassen… (4)

Im letzten Beitrag haben Sie erfahren, wie eine Juristin ihre Passion gefunden hat und diese in ihren Arbeitsalltag integriert hat.

Doch kann die Passion eines Juristen auch zum Beruf werden? Diese Frage lässt sich zunächst mit einem ganz klaren JA beantworten. Wie ich jedoch in meiner täglichen Arbeit mit Anwälten und Juristen erlebe, heißt dies keinesfalls, dass diese ihre Passion immer auch in einem juristischen Beruf finden.

Soll es das gewesen sein? – dies Frage stellen sich Juristen und Anwälte immer öfter und tragen sich mit dem Gedanken, noch einmal was ganz anderes zu machen. Manche werden gar aufgrund der zum Teil dramtischen Konkurrenz-Situation zwischen den Kanzleien in Ballungsgebieten gezwungen, sich neu zu orientieren – und zwar unabhängig davon, ob sie im Angestelltenverhältnis arbeiten oder selbstständig sind. In der Wirtschaft sieht es zum Teil ähnlich aus. Anwalt und Jurist zu sein ist im letzten Jahrzehnt keinesfalls mehr Garant für finanzielle Sicherheit und zufriedenstellendes Auskommen. Fast 40 % aller Juristen würden denn auch den Beruf nicht noch einmal ergreifen bzw. diesen Beruf nicht ihren Freunden und Kindern empfehlen.

Soweit die ernüchternden Zahlen. Doch was sind die Einzelschicksale hinter diesen Zahlen?

Im Gedächtnis ist mir da vor allem der Fall eines Wirtschaftsjuristen gelieben, der zu mir kam, um mit mir zum Stressmanagement zu arbeiten. Er war als Leiter der Rechtsabteilug eines mittelgroßen Unternehmens beschäftigt und in dieser Funktion bereits seit einigen Jahren tätig. Das Unternehmen war während dieser Zeit gewachsen und damit seine Aufgaben aber auch die Zahl seiner Mitarbeiter. Dies brachte nicht nur ständig neue Anforderungen. Mangels standardisierter Prozesse auf dem Weg dieser radikalen Entwicklung blieb ihm nichts weiter übrig, als zu versuchen, Schritt zu halten. Und natürlich verlief nicht alles sofort planmäßig. Ständige Erreichbarkeit, Überstunden und Wochenenden im Büro waren längst zur Regel geworden. Seit einiger Zeit hatten sich nun erste gesundheitliche Probleme eingestellt: mit Tinitus, Phantomschmerzen, Atemnot und Schlaflosigkeit kämpfte er bereits seit geraumer Zeit. Nun war ein Bandscheibenvorfall dazu gekommen und verlangte massiv Aufmerksamkeit von ihm – mehr, als er sich aufgrund seiner beruflichen Anforderungen leisten konnte und wollte. Deshalb wollte er nun an seinem Streßmanagement arbeiten. Er hatte bereits Erfahrung mit Coaching gesammelt; als Jurist in einem Wirtschaftsunternehmen hatte er sowohl für seine berufliche Entwicklung als auch später für seine Führungsverantwortung mit dem regelmäßig vom Unternehmen beauftragten Coach gearbeitet. Allerdings hatte diese Arbeit in beiden Fällen seine Erwartungen nicht erfüllt: zu wirtschaftlich orientiert waren ihm die Lösungsansätze erschienen. Vielleicht hatte es auch an der der Beauftragung durch seinen Vorgesetzten zugrunde liegenden (vermeintlichen) „hidden agenda“ gelegen oder schlicht an der Chemie zwichen ihm und dem vom Unternehmen ausgesuchten Coach. Dieses ungute Bauchgefühl hatte ihn jedenfalls veranlasst, sich nun selbst nach einem passenden Coach umzusehen und war zu CLP als auf Juristen spezialisiertes Coachingunternehmen gestoßen. Nach nur wenigen Sitzungen änderte sich unsere Thematik jedoch schlagartig: er hatte von heute auf morgen die Kündigung erhalten. Für ihn völlig überraschend galt es nun nicht mehr, den Streß im Unternehmen zu bewältigen. Sein Fokus richtete sich deshalb folgerichtig sofort auf die Suche nach einer neuen Stelle. Allerdings verliefen die ersten Gespräche erfolglos und bereits nach kurzer Zeit erlitt er einen dramtischen Zusammenbruch: Nicht der Tinitus oder der Bandscheibenvorfall und auch später nicht die Kündigung waren der Tiefpunkt gewesen: der Tiefpunkt war nun die Erkenntnis, nicht mehr gebraucht zu werden, dass sich die Räder auch ohne ihn weiterdrehten. Die Anzeichen von „Burn out“ waren unverkennbar. Mit unterstützender ärztlicher Begleitung galt es nun, Gesundheit wieder aufzubauen und grundsätzlich neue, gesunde Verhaltensmuster zu entwickeln. Die Kündigung hatte uns den dazu nötigen Raum verschafft. Gleichwohl hätte es nicht soweit kommen müssen (weder gesundheitlich noch zur Kündigung), wenn denn der Fokus der vorangegangenen Coachings nicht einseitig auf die Bedürfnisse des Unternehmens – des damaligen Auftraggebers – zugeschnitten gewesen wären.

Doch warum hatte der Verust des Arbeitsplatzes und damit das objektive Zurückgehen des Stresspegels zu einer derart dramatischen Verschlimmerung der Symptome geführt? Natürlich löst eine Kündigung auch immer psychisch-emotionalen Streß aus. Doch andererseits hatte er nun keine Meetings, keine e-Mails, keine Telefonate mehr, keine Auseinandersetzugnen mit Mitarbeitern, Vorgesetzten und Untergebenen… Es wurden keine Ansprüche mehr an ihn herangetragen, keine Herausforderungen gestellt. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass eine derart radikale Änderung des gewohnten Umfeldes, der alltäglichen Abläufe, enormen Stress auslösen kann: lang angewandte Verhaltensmuster greifen plötzlich nicht mehr, es kommt zu einer Wertekollision, oft muss das Selbstverständnis neu definiert werden. Das Ego kämpft verzweifelt um seine Komfortzone – mit Panikattacken und Existenzängsten… Hilfreich war in dieser Situation, dass wir bereits vor dem ultimativen Tiefpunkt begonnen hatten, miteinander zu arbeiten, eine Vertrauensbasis und erste Grundlagen bereits geschaffen worden waren. Darauf konnten wir aufbauen auf dem Weg zur Neuorientierung.

Doch es gibt nicht nur die Fälle, in denen die berufliche Neuorientierung durch äußere Umstäden den Betrofffenen quasi aufgezwungen wird: Mindestens ebenso häufig kommt der Wunsch, „mal etwas anderes zu machen“ eher vom Betroffenen selbst. Dabei begleitet der Gedanke an berufliche Alternativen die Betroffenene manchmal bereits seit Kindertagen oder zumindest seit Studienzeiten. Manchmal werden sie aber auch erst im Laufe einer beruflichen Karriere entwickelt – durch Vorbilder oder geschäftliche Kontakte.

Ich möchte hier das Beispiel eines Juristen anführen, der seit Jahren in einem großen Versicherungsunternehmen beschäftigt war und seitdem stetig die Karriereleiter nach oben stieg. Gleichwohl dachte er oft daran, wie es wohl wäre, sein eigener Chef, also selbstständig zu sein. Ihm ging es dabei nicht darum, eine Kanzei zu eröffnen. Nein, er trug sich seit einiger Zeit mit einer Geschäftsidee. Diese Idee faszinierte ihn. Sie schlich sich in seine Gedanken bei längeren Autofahrten, beim Joggen, aber auch immer öfter während langweiliger Meetings oder ruhiger Phasen am Schreibtisch. Und immer öfter begann er, Informationen dafür zu sammeln, zu recherchieren, Dinge dazu aufzuschreiben. Nun konnte er die Idee nicht mehr ignorieren und als Fantasie abtun. Als die Idee jedoch derart Gestalt annahm, wurde sie für ihn bedrohlich und er entschloss sich, mit CLP zu arbeiten. Das Problem war nämlich: es war nicht so einfach. Er mochte seinen Job bei der Versicherung. Er genoss die Anerkennung und die Privilegien, die mit seiner Position verbunden waren. Und er brauchte die finanzielle Sicherheit, die dieser Job ihm bot. Immerhin war er nicht allein: Er hatte Familie, seine Frau bekam gerade das zweite Kind und sie waren drauf und dran, ein Haus zu kaufen…

Wie Sie sehen, steht manchmal gerade dann, wenn alles „gut zu laufen“ scheint, eine Veränderung an, die alles auf den Kopf stellen kann… In diesen Situationen ist es besonders wichtig, einen verlässlichen Partner an seiner Seite zu haben, der den juristischen Beruf kennt und über ausreichend eigene Erfahrung verfügt, um durch diesen Prozess der Neuorientierung sicher und erfolgreich zu navigieren.

Bleiben Sie dran und lesen Sie im nächsten Beitrag, wie man auch im juristischen Beruf seine Passion finden kann.

Herzlichst,

Dr. Geertje Tutschka

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Deshalb haben sich Juristen coachen lassen… (3)

Unsere Abstimmung „Brauchen Juristen einen Coach?“ geht in die letzte Runde. Bislang sind alle Meinungen vertreten: von einem klaren JA bis hin zu NEIN, SIE BRAUCHEN EHER HUMOR 🙂 Was denken Sie? Einfach zur Abstimmung (Beitrag vom 02.09.2014) runterscrollen und Ihre Meinung mit einem Kreuzchen bei „Vote“ eintragen. Unter „View results“ erfahren Sie den aktuelllen Stand der Abstimmung!

Brauchen Juristen einen Coach? Nun: was genau ist ein Coach? Das Wort Coach wird heute so inflationär genutzt wie das Wort Coaching. Doch niemand – so scheint es – hat mehr als nur eine vage Vorstellung davon, um was es hierbei geht.

Zuallererst ist uns der Coach vor einigen Jahrzehnten im Sport begegnet. Wenig später hielt er Einzug in die Praxis der Psychologen, dann vor einigen Jahren in diverse Erziehungsratgebersendungen im TV. Später kam der Life-Coach hinzu (sehr schön auch der Farb- und Stilcoach), dann eroberte der Karriere-Coach Wirtschaft und Universitäten. Heute sprechen Ausbilder und Lehrer davon, ihre Studenten und Auszubildenden zu coachen. Führungskräfte coachen ihre Untergebenen. Und wer als Anwalt nicht nur überzeugen sondern auch modern sein will, der berät seinen Mandanten nicht nur, sondern coacht ihn besser. Die Grenzen zwischen Training, Therapie, Beratung, Lehren und Coaching scheinen also fließend zu sein. Zumindest in der landläufigen Nutzung dieser Begriffe. Aber ist Coaching tatsächlich eine spezielle Form von Beratung, Therapie, Training, Information und Ausbildung? Oder ist Coaching nur das moderne Synonym dafür und mit dem jeweiligen Inhalt flexibel ausfüllbar?

Die Antwort lautet ganz klar : NEIN.

Coaching ist ebenso wenig Therapie wie Beratung Ausbildung ist. Es ist ebenso wenig Beratung, wie Ausbildung Therapie ist. Keiner dieser Begriffe entspricht dem anderen, wie Sie wissen. Auch Coaching ist also eine eigene Form, andere bei der Entwicklung und Entfaltung ihrer Fähigkeiten zu unterstützen. Der Kern des Begriffes erklärt sich im Wesentlichen bereits aus dem Wortstamm des englischen Begriffes: Coach = die Kutsche. Coaching soll heißen, jemanden darin zu begleiten, eigenverantwortlich seinen Weg zu finden (als Kutscher in die Lage versetzt zu werden, seine Kutsche zu warten und zu bedienen, zu fahren und zu lenken und zwar an das Ziel seiner Wahl). Die Begleitung des Coaches erfolgt dabei im Hintergrund. Es geht nämlich nicht darum, dem Coachee den objektiv besten Weg aufzuzeigen, ihm nichtvorhandene Fähigkeiten anzutrainieren oder ihm nützliche Informationen im Allgemeinen zukommen zu lassen. Wenn zur Erreichung dieses Zieles eine Ausbildung oder ein Training erforderlich ist, würde diese unabhängig vom Coaching zu absolvieren sein. Auch geht es nicht darum zu analysieren, warum der Coachee Kutscher geworden ist oder was ihn zu einem guten oder schlechten Kutscher macht, wie das vielleicht ein Psychologe machen würde. Vielmehr geht es schlicht darum, Klarheit darüber zu gewinnen, wo man steht, wo man hin möchte und wie dieses Ziel erreicht werden kann. Wenn Informationsbedarf besteht, wird dieser unabhängig vom Coaching durch den Coachee selbstständig gestillt, nicht durch den Coach. Stellt der Coach fest, dass dem Coachee für die Ereichung seines Zieles Persönlichkeitsmerkmale im Weg stehen, die auf einer Traumatisierung, Störung oder Erkrankung beruhen, wird das Coaching als dafür ungeeignet ab- bzw. zumindest unterbrochen und der Coachee an einen Arzt bzw. Psychologen verwiesen. Ein Untergebenen- oder Abhängigkeitsverhältnis widerspricht also grundsätzlich einer echten Coachingvereinbarung.

Soviel also zur Abgrenzung von Coaching hin zu Klarheit und besserem Verstädnis : Brauchen Juristen einen Coach?

Im letzten Beitrag habe ich die Richter und Richterinnen eines Amtsgerichtes vorgestellt, die unter der mangelnden Führung durch den Direktor des Amtsgerichtes litten. Schwierig war dabei insbesondere, dieses Führungsproblem im Team zu thematisieren und zu adressieren. Derartige offensichtliche „Themen“, die für alle als sogenannter „pink elephant“ mitten im Raum stehen, werden in Gruppen- und Teamsituationen entweder bewusst tabuisiert oder einfach nicht gesehen (wie: „den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen“). Nicht selten spielen hierfür Hierarchien, aber auch schwierige Teamstrukturen und die Gruppendynamik eine Rolle.

Ein ebensolches Thema brachte auch kürzlich eine Juristin aus ihrem beruflichen Alltag in einer großen Bank mit. In ihrer Tätigkeit war sie in ein Team integriert, welches aus verschiedenen Hierarchien bestand und andere Juristen ebenso wie Nichtjuristen integrierte. Es fanden regelmäßige Besprechungen, Meetings , Sitzungen und „Jour fixe“ in verschiedenen Konstellationen statt. Diesen – so wurde ihr seit einiger Zeit immer klarer – war eines gemeinsam: sie alle gestalteten sich fast ausschließlich als Hahnenkämpfe, Zickenkriege und Intrigenspielchen. Schon bevor alle Teilnehmer auch nur den Raum betraten, ja oft sogar schon bei Versenden der Einladungen oder Topics, entbrannten Grabenkämpfe und Sticheleien. Darunter litt nicht nur das Klima im gesamten Team. Von einem Team konnte ohnehin schon lange keine Rede mehr sein. Vor allem aber litten die eigentliche Arbeit und die eigentlichen Themen darunter. Die Qualität jedes Einzelnen und des gesamten Teams wurde zusehends schlechter. Es wurde immer mehr Zeit für immer weniger gebraucht… Dieser Juristin ging es jedoch gar nicht in erster Linie darum, diese Situation zu ändern oder sich dem zu entziehen. Vielmehr fand sie es sehr spannend, diese Gruppendynamik zu beobachten und entdeckte mit der Zeit Muster und Mechanismen. Sie hatte mit Coaching bereits Erfahrung gesammelt. Und obwohl der damals vom Unternehmen engagierte Coach zu Stressreduzierung und Teambuilding sie persönlich nicht überzeugen konnte, hatte sie das Gefühl, dass Coaching ihr helfen könnte, die Teamsituation besser zu verstehen. Sie kam zu CLP und in der Tat konnte ich ihr dann anhand verschiedener Modelle aus Coaching, NLP und Kommuniukationstraining verdeutlichen, wie Teamstrukturen entstehen, wie Gruppendynamik beeinflussbar ist. Es ging hier also nicht um reines Coaching, sondern um ein Dazulernen, eine Weiterbildung wenn Sie so wollen. Sie war begeisterte Teilnehmerin unserer Webinarreihe „Coaching für die juristische Praxis“ und wird eine der ersten Teilnehmerinnen unserer Jurcoach-Ausbildung sein, die ab 2015 für Juristen startet.

Und konnte sie mit dem bei CLP erworbenen Wissen die Meetingkultur in ihrer Bank beeinflussen oder gar verbessern? Mit zunehmendem Verständnis für die Automatismen in Teamsituationen wurde sie sich ihrer eigenen Rolle immer bewußter und verstand, dass es hierbei keine wirliche „Passivität“, kein „Heraushalten“ geben kann. Als sie dies verinnerlicht hatte, konnte sie beginnen, Verantwortung für die Situation zu übernehmen. Erst für ihr eigenes Verhalten, und dann begann sie, die Abläufe aktiv zu beeinflussen. Die Meetings sind immer noch zeitaufwendig und aufreibend. Doch es bereitet ihr Freude, Entwicklung zu sehen und Zusammenhänge zu erkennen. Mittlerweile wartet sie regelrecht gespannt auf jede neue Teamsitzung. Das Erforschen von Teamstrukturen ist zu ihrem persönlichen Thema , ihrer „Passion“ geworden. Sie wird weiter daran arbeiten.

Bleiben Sie dran und lesen Sie im nächsten Beitrag, wie die Passion eines Juristen zum Beruf werden kann.

Herzlichst,

Dr. Geertje Tutschka

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Deshalb haben sich Juristen coachen lassen… (2)

Die Umfrage „Brauchen Juristen einen Coach“ ergibt bislang ein klares „JA“. Falls Sie also noch nicht mit abgestimmt haben, bitte schnell noch Ihr Kreuzchen machen. Die Umfrage läuft in den nächsten Tagen aus!

Dass Juristen einen Coach brauchen, ist auch meine Erfahrung bei meiner Arbeit als Coach und Trainer bei CLP. Doch worin genau lassen sich Juristen coachen? Was sind die Themen, an denen sie immer wieder zu scheitern drohen? Was sind die Sorgen, die sie nachts nicht schlafen lassen? Und sind diese wirklich beruflich und spezifisch für einen juristischen Beruf? Oder geht es den Anwälten und Juristen mittlerweile nicht ebenso wie Managern und anderen Führungskräften in der Wirtschaft, die sich bereits seit Jahrzehnten coachen lassen; anders gefragt: haben Juristen von heute also die Probleme und Sorgen der in der Wirtschaft Tätigen? So dass die dort vorhanden Erfahrungswerte der Coachings ohne weiteres auch für Juristen heute anwendbar sind, diese also von dem Vorlauf in der Wirtschaft profitieren?

Nach meiner Erfahrung trifft dies nur sehr eingeschränkt zu. Natürlich ist heute der Konkurrenzdruck unter den Anwaltskanzleien stärker als jemals zuvor. Die Anwaltschaft steht unter dem Druck, sich als Dienstleister neu definieren zu müssen: die neuen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters machen auch vor der Kanzlei und dem Kanzlei-Marketing nicht halt. Auch drängen immer mehr Frauen in den juristischen Beruf (Die Zukunftsstudie des DAV von 2013 ergab: „Die Zukunft der Anwaltschaft ist weiblich“ – fordern Sie eine Zusammenfassung hier an).  Also alles Themen, die so oder so ähnlich auch in der Wirtschaft zu finden sind. Insofern mag in Ansätzen zumindest die Arbeit als Anwalt in einer Kanzlei oder als Jurist in einem Unmternehmen Berührungspunkte aufzeigen.

Doch grundsätzlich gilt: der juristische Beruf ist auch heute nicht dem in einem Wirtschaftsunternehmen zu vergleichen. Sowohl als Anwalt als auch als Jurist im Staatsdienst oder in einem Wirtschaftsunternehmen ist jedem von uns eine besondere Rolle und Position mit besonderen Rechten und Pflichten vom Staat verliehen worden. Ähnlich dem Eid des Hippokrates für Mediziner. Diesem müssen wir nach wie vor Rechnung tragen.

Und diese Besonderheiten spiegeln sich auch in den Themen wider, die Juristen zum Coaching mitbringen.

Was sind also genau die Themen, zu denen sich Juristen coachen lassen? Ich werde versuchen, einen repräsentativen Querschnitt meiner Arbeit – natürlich anonymisiert – aufzuzeigen, um diese Frage zu beantworten.

Im letzten Beitrag habe ich bereits mein persönliches „Thema“ vorgestellt. Es war sicherlich speziell und einer besonderen Situation geschuldet. Wie jedoch der folgende Beitrag zeigen wird, sind alle Themen allgemeingültig und einzigartig zugleich:

Im Frühjahr 2014 war mein Serviceunternehmen CLP zum ersten Mal zum Richter- und Staatsanwaltstag in Weimar eingeladen worden, um sich dort zu präsentieren. Dieser findet alle drei Jahre statt und bietet Richtern und Staatsanwälten eine einmalige Gelegenheit, sich mit Kollegen auszutauschen, weiterzubilden und zu informieren. Unsere Präsentation wurde offen und interessiert aufgenommen: bereits am ersten Tag hatten wir unser geplantes Budget an Informationsmaterial aufgebraucht. Am Ende der Ausstellung hatten wir das dreifache des geplanten Infomaterials verteilt.

Eine Amtsrichterin trat mit der Frage an mich heran, „ob ich auch Dritte coachen könne, und zwar ohne dass sie es merken oder gegen ihren Willen“. Ihr Problem war, dass der Direktor ihres Amtsgerichtes alles andere als eine Führungspersönlichkeit war und das mit ihm arbeitende „Team“ an Amtsrichtern seit seiner Ernennung quasi führungslos war. Er kümmerte sich nicht um Termine, um die Themen der Teambesprechungen und Sitzungen. Es gab weder Personalgespräche noch Feedbacks oder Entwicklungsstrategien noch Berichte. Das Ergebnis war, dass diese mangelnde Führung zu Lasten der anderen Amtsrichter ging. Diese versuchten „versteckt“ aber auch „offen“ die mangelnde Führung zu kompensieren, gerieten jedoch immer wieder an ihre Grenzen. Was alle unwahrscheinlich frustierte. Das einst gut funktionierende „Team“ brach auseinander. Viele verloren die Freude an ihrer Arbeit, einige wurden sogar krank oder versuchten abzuwandern. Die Amtsrichterin beschrieb eine verzweifelte und schier ausweglose Situation. Der Direktor des Amtsgerichtes war seit einem Jahr im Amt. Natürlich hatte ihn niemand wirklich auf die besondere Position eines Direktors vorbereitet. Und natürlich war er nicht aufgrund seiner besonderen Führungsqualitäten und -erfahrungen ausgewählt worden – das ist am Gericht nicht üblich. Er hatte schlicht die reguläre Laufbahn absolviert. Nun war er auf dieser Position und dort auch nicht mehr ohne weiteres wegzubekommen. Regulierungsmechanismen gibt es dafür sogut wie keine. Ein Thema also, welches in der Wirtschaft so sicherlich nicht anzutreffen ist. Was also tun? Dem Vorgesetzten dringend ein spezielles „Führungs-Coaching oder -Training“ emfehlen? Ihm anonym unsere CLP-Infobroschüre auf den Schreibtisch legen und hoffen, dass er sich dafür interessiert? Ein Einzlecoaching für die Amtsrichterin mit dem Ziel, sie besser mit dieser frustierenden Situation fertig werden zu lassen?

Nun, ich versuchte einen eleganteren Weg zu wählen: unter Einbeziehung des gesamten Teams und Ausrichtung auf ein anderes Thema näherten wir uns gemeinsam behutsam dem „Eigentlichen“. In Einzelgesprächen stellte sich heraus, dass er zwar ein brillanter Jurist war, jedoch nie gelernt hatte, zu organisieren, zu führen oder sich zu kümmern. Er stammte aus der Gegend und hatte auch hier studiert, weshalb er bis in seine 30er Jahre als einziger Sohn bei seinen Eltern gelebt hatte. Mittlerweile war er verheiratet und hatte Kinder. Doch er wohnte nach wie vor in einem ausgebauten Teil seines Elternhauses. Der Alltag wurde von seinen Eltern bzw. seiner Frau gemanagt. Er lebte ausschließlich für seinen Beruf als Richter. In der Freiziet begleitet er gern seine Kinder zu deren Freizeitaktivitäten. Direktor des Amtsgerichtes ist er nur geworden, um der Verwirklichung seines Berufes als Richter in der Gegend mehr Sicherheit zu geben…

Hatten wir am Ende Erfolg? Zumindest konnte das für alle offen sichtbar im Raum stehende Problem erstmals benannt werden. Ein erster Schritt auf einem langen Weg…

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Herzlichst,

Dr. Geertje Tutschka

 

Deshalb haben sich Juristen coachen lassen… (1)

… ok, ok… Sie wollen also Fakten, Stories, Hintergründe – Field Studies:

Gut. Kann ich nachvollziehen.

In meiner Arbeit als Coach für Juristen und Anwälte bei CLP – Coaching for legal professionals – habe ich nun seit einigen Jahren mit Kollegen zu tun, die sich mit Hilfe eines Coaches weiterentwickeln oder Dinge, die sie seit langem vor sich herschieben, endlich in Angriff nehmen wollen… Die endlich diese „gläserne Decke“ durchbrechen wollen, die sie daran hindert voran zu kommen. Oder die einfach diesen inneren Schweinhund oder die emsigen Stimmchen im Kopf, die sich immer dann einschalten, wenn es um eine bestimmtes Thema geht, bezwingen möchten…

Die Themen, das können Sie mir glauben, sind so vielfältig wie das Leben und so individuell wie jeder einzelne. Und einige Themen kommen immer wieder vor…

Doch first things first:

Vorausschicken möchte ich, dass ich selbstverständlich alle „Field-Studies“ so verfremdet und anonymisiert habe, dass ich meiner Schweigepflicht meinen Coachees gegenüber entsprochen habe. Sollten dennoch Ähnlichkeiten auftreten, sind diese rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Bevor ich hier also aus dem Nähkästchen plaudere und über die Dinge erzähle, die meinen Coachees wirklich am Herzen liegen – denn genau DAS sind die Themen, an denen wir arbeiten – möchte ich mit meiner eigenen Erfahrung beginnen.

Als deutsche, promovierte Unternehmensjuristin zog ich für drei Jahre in die U.S.A. – und zwar als sogenannte „Spouse“, auf gut deutsch „mitreisende Ehefrau und Mutter ohne visumsrelevanten Arbeitsvertrag“. Der Plan war, mich schnell um eine Anstellung als Juristin oder Anwältin zu bemühen und meine Vita mit berufsrelevanter Auslandserfahrung entsprechend aufzupeppen. Immerhin gibt es in der USA viele Kanzleien und Unternehmen, ja selbst Organisationen, die international und insbesondere mit Deutschland arbeiten und deshalb doch dringend eine deutsche Juristin benötigen sollten. Tatsächlich kam es natürlich anders: Die Umstellung unserer fünfköpfigen Familie mit drei Schulkindern nahm mehr Aufmerksamkeit in Anspruch als mir lieb war. Als deutscher Ausländer durften wir kein Au pair o.ä. zur Unterstützung anstellen. Ich hatte nur eine eingeschränkte Arbeitserlaubnis und Detroit war inmitten der Automobilkrise schlicht nicht der Ort zu dieser Zeit, einen neuen Arbeitsvertrag abzuschließen – Detroit entließ und schickte bestenfalls nach Hause. Hinzu kam, dass der sogenannte Expatblues auch mir zusetzte: davon, sich im Englischen und erst recht amerikanisch korrekt, business-like, angemessen und diplomatisch auszudrücken – wie ich das als deutsche Juristin gewohnt war – war ich Lichtjahre entfernt. Alle meine Bewerbungen und Anfragen wurden monatelang abschlägig beschieden. Natürlich hatte hier niemand auf mich gewartet. Und außerdem wurde mir mit aller Schlagkraft bewußt, dass mein eigenes Aufenthaltsrecht in diesem Land und mein Recht, mit meinen Kindern zusammen zu sein, plötzlich von meiner funktionierenden Ehe abhingen, die ohnedies nun still und heimlich zum deutschen Traditionsmodell, der Hausfrauenehe, mutiert war, einem Zustand, der für mich noch in Deutschland unvorstellbar erschienen war.

Was also tun? Zurück nach Deutschland flüchten und als Erfahrung verbuchen? Die Situation annehmen und die nächsten drei Jahre mit Capuccino, Shoppen und Parties verbringen? Den Ehemann, der einem das alles eingebrockt hatte, umbringen – oder zumnindest das Leben ebenso zur Hölle machen und seine Ehe riskieren?

Ich probierte alles aus – und schließlich einen Coach. Was mehrere Leben rettete!

In den USA sind auf Anwälte und Juristen spezialiserte Coaches weit verbreitet: die Konkurrenz unter den Kollegen, die „Time-is-money“ – Mentalität und die Offenheit, professionelle Hilfe schlicht in Anspruch zu nehmen, wenn man sie braucht, war meine erste wichtige Lektion im fernen Amerika.

Nun, was soll ich sagen: mein Coach half mir bei der Beantwortung der Frage: Was also tun? – und zwar innerhalb weniger Wochen. Und er begleitete mich auch bei der Umsetzung.

And to say it in a nutshell: Am Ende waren wir vier Jahre in Detroit. Es waren für mich und für meine Familie die schönste Zeit unseres bisherigen Lebens. Ich habe als Anwältin und Juristin viele der internationalen, deutschen und österreichischen Expatriates privatrechtlich beraten und begleiten und DIE Automobilkrise aus nächster Nähe professionell und persönlich erfahren dürfen. Und ich habe niemals zuvor als Juristin und Anwältin so viel Anerkennung und Befriedigung in meiner Arbeit gefunden.

Hätte ich das auch ohne Coach erfahren? Vielleicht.

Vielleicht aber auch nicht – denn mein sorgfältig erlernten und mitgebrachten Verhaltensmuster aus Deutschland, die mir dort das „Überleben“ gesichert hatten, waren sehr stark. Die wertvollste Erfahrung für mich aber war, meine Muster überhaut kennenzulernen! Bis dahin hatte ich nicht einmal gewußt, dass ich diese besaß.

Brauchen Juristen also einen Coach? – Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus muss ich sagen JA. Denn er hat mir viele schmerzhafte Erlebnisse, Zeit und Energie gespart bei der Verwirklichung meiner Träume. Wichtig war dabei aber insbesondere, dass mein Coach „vom Fach“ war – denn das juristische Studium und der juristische Abschluss sind sicherlich eines der ganz wenigen, die nicht ohne weiteres in jedem Land auf der Welt einsetzbar sind. Welcher Nichtjurist versteht das schon in seiner vollen Tragweite…

Anderen Juristen geht es mit anderen Themen ähnlich. Lesen Sie darüber in den folgenden Beiträgen!

Bleiben Sie also dran! Und stimmen sie mit ab! Oder besser noch: kommentieren Sie meine  Beiträge!

Ich bin gespannt auf Ihre  Meinung!

Herzlichst,

Dr. Geertje Tutschka

PS: Wenn Sie mehr über mcih und „Coaching for legal Professionals“ erfahren möchten, besuchen Sie mich auf meiner Webseite unter http://www.coachingforlegals.com und abonnieren Sie meinen kostenfreien e-Newsletter hier!

Umfrage: Brauchen Juristen einen Coach?

So, nun ist es an Ihnen! Glauben Sie, dass Juristen einen Coach brauchen?

Geben Sie uns Ihre Meinung! Und laden Sie andere ebenfalls dazu ein.

 

 

 

 

 

Brauchen Juristen einen Coach?

Dr. Geertje Tutschka

Lieber Leser,

brauchen Juristen einen Coach?

Wenn Sie schon einmal mit Juristen zu tun hatten, als Kollege, als Partner, als Mandant, als Partei im Gerichtssaal, als Angestellte in einer Anwaltskanzlei oder als Experte in einem Unternehmen wird Ihre Antwort ganz klar JA heißen. Als Bremser, Fachidioten und Bedenkenträger mangelt es den Richtern, Anwälten und Wirtschaftsjuristen an Feingefühl, Wirtschaftsverständnis und Weitblick.

Eine schnelle und pragmatische Lösung für ein Problem finden und umsetzen? – Mit Juristen nicht möglich!

Die emotionale Seite einer verzwickten Situation mit seinem Anwalt oder Richter diskutieren – vergessen Sie´s!

Brauchen Juristen also einen Coach? Und werden Sie dann zu besseren Juristen?

Was ist es, was einen guten Juristen ausmacht?

Der BLOG „Jurcoach“ wird diese Fragen beantworten.

Ein BLOG von Juristen für Juristen. Und für alle, die mit Juristen tagtäglich zusammenarbeiten und leben.

 

Schön, dass Sie da sind. Bleiben Sie dran! Es lohnt sich!

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Weil wir wissen, was es heißt, Jurist zu sein. Weil wir gute Juristen lieben.

Dr. Geertje Tutschka