Deshalb haben sich Juristen coachen lassen… (3)

Unsere Abstimmung „Brauchen Juristen einen Coach?“ geht in die letzte Runde. Bislang sind alle Meinungen vertreten: von einem klaren JA bis hin zu NEIN, SIE BRAUCHEN EHER HUMOR 🙂 Was denken Sie? Einfach zur Abstimmung (Beitrag vom 02.09.2014) runterscrollen und Ihre Meinung mit einem Kreuzchen bei „Vote“ eintragen. Unter „View results“ erfahren Sie den aktuelllen Stand der Abstimmung!

Brauchen Juristen einen Coach? Nun: was genau ist ein Coach? Das Wort Coach wird heute so inflationär genutzt wie das Wort Coaching. Doch niemand – so scheint es – hat mehr als nur eine vage Vorstellung davon, um was es hierbei geht.

Zuallererst ist uns der Coach vor einigen Jahrzehnten im Sport begegnet. Wenig später hielt er Einzug in die Praxis der Psychologen, dann vor einigen Jahren in diverse Erziehungsratgebersendungen im TV. Später kam der Life-Coach hinzu (sehr schön auch der Farb- und Stilcoach), dann eroberte der Karriere-Coach Wirtschaft und Universitäten. Heute sprechen Ausbilder und Lehrer davon, ihre Studenten und Auszubildenden zu coachen. Führungskräfte coachen ihre Untergebenen. Und wer als Anwalt nicht nur überzeugen sondern auch modern sein will, der berät seinen Mandanten nicht nur, sondern coacht ihn besser. Die Grenzen zwischen Training, Therapie, Beratung, Lehren und Coaching scheinen also fließend zu sein. Zumindest in der landläufigen Nutzung dieser Begriffe. Aber ist Coaching tatsächlich eine spezielle Form von Beratung, Therapie, Training, Information und Ausbildung? Oder ist Coaching nur das moderne Synonym dafür und mit dem jeweiligen Inhalt flexibel ausfüllbar?

Die Antwort lautet ganz klar : NEIN.

Coaching ist ebenso wenig Therapie wie Beratung Ausbildung ist. Es ist ebenso wenig Beratung, wie Ausbildung Therapie ist. Keiner dieser Begriffe entspricht dem anderen, wie Sie wissen. Auch Coaching ist also eine eigene Form, andere bei der Entwicklung und Entfaltung ihrer Fähigkeiten zu unterstützen. Der Kern des Begriffes erklärt sich im Wesentlichen bereits aus dem Wortstamm des englischen Begriffes: Coach = die Kutsche. Coaching soll heißen, jemanden darin zu begleiten, eigenverantwortlich seinen Weg zu finden (als Kutscher in die Lage versetzt zu werden, seine Kutsche zu warten und zu bedienen, zu fahren und zu lenken und zwar an das Ziel seiner Wahl). Die Begleitung des Coaches erfolgt dabei im Hintergrund. Es geht nämlich nicht darum, dem Coachee den objektiv besten Weg aufzuzeigen, ihm nichtvorhandene Fähigkeiten anzutrainieren oder ihm nützliche Informationen im Allgemeinen zukommen zu lassen. Wenn zur Erreichung dieses Zieles eine Ausbildung oder ein Training erforderlich ist, würde diese unabhängig vom Coaching zu absolvieren sein. Auch geht es nicht darum zu analysieren, warum der Coachee Kutscher geworden ist oder was ihn zu einem guten oder schlechten Kutscher macht, wie das vielleicht ein Psychologe machen würde. Vielmehr geht es schlicht darum, Klarheit darüber zu gewinnen, wo man steht, wo man hin möchte und wie dieses Ziel erreicht werden kann. Wenn Informationsbedarf besteht, wird dieser unabhängig vom Coaching durch den Coachee selbstständig gestillt, nicht durch den Coach. Stellt der Coach fest, dass dem Coachee für die Ereichung seines Zieles Persönlichkeitsmerkmale im Weg stehen, die auf einer Traumatisierung, Störung oder Erkrankung beruhen, wird das Coaching als dafür ungeeignet ab- bzw. zumindest unterbrochen und der Coachee an einen Arzt bzw. Psychologen verwiesen. Ein Untergebenen- oder Abhängigkeitsverhältnis widerspricht also grundsätzlich einer echten Coachingvereinbarung.

Soviel also zur Abgrenzung von Coaching hin zu Klarheit und besserem Verstädnis : Brauchen Juristen einen Coach?

Im letzten Beitrag habe ich die Richter und Richterinnen eines Amtsgerichtes vorgestellt, die unter der mangelnden Führung durch den Direktor des Amtsgerichtes litten. Schwierig war dabei insbesondere, dieses Führungsproblem im Team zu thematisieren und zu adressieren. Derartige offensichtliche „Themen“, die für alle als sogenannter „pink elephant“ mitten im Raum stehen, werden in Gruppen- und Teamsituationen entweder bewusst tabuisiert oder einfach nicht gesehen (wie: „den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen“). Nicht selten spielen hierfür Hierarchien, aber auch schwierige Teamstrukturen und die Gruppendynamik eine Rolle.

Ein ebensolches Thema brachte auch kürzlich eine Juristin aus ihrem beruflichen Alltag in einer großen Bank mit. In ihrer Tätigkeit war sie in ein Team integriert, welches aus verschiedenen Hierarchien bestand und andere Juristen ebenso wie Nichtjuristen integrierte. Es fanden regelmäßige Besprechungen, Meetings , Sitzungen und „Jour fixe“ in verschiedenen Konstellationen statt. Diesen – so wurde ihr seit einiger Zeit immer klarer – war eines gemeinsam: sie alle gestalteten sich fast ausschließlich als Hahnenkämpfe, Zickenkriege und Intrigenspielchen. Schon bevor alle Teilnehmer auch nur den Raum betraten, ja oft sogar schon bei Versenden der Einladungen oder Topics, entbrannten Grabenkämpfe und Sticheleien. Darunter litt nicht nur das Klima im gesamten Team. Von einem Team konnte ohnehin schon lange keine Rede mehr sein. Vor allem aber litten die eigentliche Arbeit und die eigentlichen Themen darunter. Die Qualität jedes Einzelnen und des gesamten Teams wurde zusehends schlechter. Es wurde immer mehr Zeit für immer weniger gebraucht… Dieser Juristin ging es jedoch gar nicht in erster Linie darum, diese Situation zu ändern oder sich dem zu entziehen. Vielmehr fand sie es sehr spannend, diese Gruppendynamik zu beobachten und entdeckte mit der Zeit Muster und Mechanismen. Sie hatte mit Coaching bereits Erfahrung gesammelt. Und obwohl der damals vom Unternehmen engagierte Coach zu Stressreduzierung und Teambuilding sie persönlich nicht überzeugen konnte, hatte sie das Gefühl, dass Coaching ihr helfen könnte, die Teamsituation besser zu verstehen. Sie kam zu CLP und in der Tat konnte ich ihr dann anhand verschiedener Modelle aus Coaching, NLP und Kommuniukationstraining verdeutlichen, wie Teamstrukturen entstehen, wie Gruppendynamik beeinflussbar ist. Es ging hier also nicht um reines Coaching, sondern um ein Dazulernen, eine Weiterbildung wenn Sie so wollen. Sie war begeisterte Teilnehmerin unserer Webinarreihe „Coaching für die juristische Praxis“ und wird eine der ersten Teilnehmerinnen unserer Jurcoach-Ausbildung sein, die ab 2015 für Juristen startet.

Und konnte sie mit dem bei CLP erworbenen Wissen die Meetingkultur in ihrer Bank beeinflussen oder gar verbessern? Mit zunehmendem Verständnis für die Automatismen in Teamsituationen wurde sie sich ihrer eigenen Rolle immer bewußter und verstand, dass es hierbei keine wirliche „Passivität“, kein „Heraushalten“ geben kann. Als sie dies verinnerlicht hatte, konnte sie beginnen, Verantwortung für die Situation zu übernehmen. Erst für ihr eigenes Verhalten, und dann begann sie, die Abläufe aktiv zu beeinflussen. Die Meetings sind immer noch zeitaufwendig und aufreibend. Doch es bereitet ihr Freude, Entwicklung zu sehen und Zusammenhänge zu erkennen. Mittlerweile wartet sie regelrecht gespannt auf jede neue Teamsitzung. Das Erforschen von Teamstrukturen ist zu ihrem persönlichen Thema , ihrer „Passion“ geworden. Sie wird weiter daran arbeiten.

Bleiben Sie dran und lesen Sie im nächsten Beitrag, wie die Passion eines Juristen zum Beruf werden kann.

Herzlichst,

Dr. Geertje Tutschka

PS: Wenn Sie beim CLP-Webinar „Coaching für die juristische Praxis“ vorbeischauen möchten oder sich für unsere Coachingausbildung „Jurcoach“ für Juristen interessieren, abonnieren Sie einfach unseren kostenfreien eNewsletter unter http://www.coachingforlegals.com. Auf Sie wartet dort ein kleines Dankeschön.

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