Deshalb haben sich Juristen coachen lassen… (4)

Im letzten Beitrag haben Sie erfahren, wie eine Juristin ihre Passion gefunden hat und diese in ihren Arbeitsalltag integriert hat.

Doch kann die Passion eines Juristen auch zum Beruf werden? Diese Frage lässt sich zunächst mit einem ganz klaren JA beantworten. Wie ich jedoch in meiner täglichen Arbeit mit Anwälten und Juristen erlebe, heißt dies keinesfalls, dass diese ihre Passion immer auch in einem juristischen Beruf finden.

Soll es das gewesen sein? – dies Frage stellen sich Juristen und Anwälte immer öfter und tragen sich mit dem Gedanken, noch einmal was ganz anderes zu machen. Manche werden gar aufgrund der zum Teil dramtischen Konkurrenz-Situation zwischen den Kanzleien in Ballungsgebieten gezwungen, sich neu zu orientieren – und zwar unabhängig davon, ob sie im Angestelltenverhältnis arbeiten oder selbstständig sind. In der Wirtschaft sieht es zum Teil ähnlich aus. Anwalt und Jurist zu sein ist im letzten Jahrzehnt keinesfalls mehr Garant für finanzielle Sicherheit und zufriedenstellendes Auskommen. Fast 40 % aller Juristen würden denn auch den Beruf nicht noch einmal ergreifen bzw. diesen Beruf nicht ihren Freunden und Kindern empfehlen.

Soweit die ernüchternden Zahlen. Doch was sind die Einzelschicksale hinter diesen Zahlen?

Im Gedächtnis ist mir da vor allem der Fall eines Wirtschaftsjuristen gelieben, der zu mir kam, um mit mir zum Stressmanagement zu arbeiten. Er war als Leiter der Rechtsabteilug eines mittelgroßen Unternehmens beschäftigt und in dieser Funktion bereits seit einigen Jahren tätig. Das Unternehmen war während dieser Zeit gewachsen und damit seine Aufgaben aber auch die Zahl seiner Mitarbeiter. Dies brachte nicht nur ständig neue Anforderungen. Mangels standardisierter Prozesse auf dem Weg dieser radikalen Entwicklung blieb ihm nichts weiter übrig, als zu versuchen, Schritt zu halten. Und natürlich verlief nicht alles sofort planmäßig. Ständige Erreichbarkeit, Überstunden und Wochenenden im Büro waren längst zur Regel geworden. Seit einiger Zeit hatten sich nun erste gesundheitliche Probleme eingestellt: mit Tinitus, Phantomschmerzen, Atemnot und Schlaflosigkeit kämpfte er bereits seit geraumer Zeit. Nun war ein Bandscheibenvorfall dazu gekommen und verlangte massiv Aufmerksamkeit von ihm – mehr, als er sich aufgrund seiner beruflichen Anforderungen leisten konnte und wollte. Deshalb wollte er nun an seinem Streßmanagement arbeiten. Er hatte bereits Erfahrung mit Coaching gesammelt; als Jurist in einem Wirtschaftsunternehmen hatte er sowohl für seine berufliche Entwicklung als auch später für seine Führungsverantwortung mit dem regelmäßig vom Unternehmen beauftragten Coach gearbeitet. Allerdings hatte diese Arbeit in beiden Fällen seine Erwartungen nicht erfüllt: zu wirtschaftlich orientiert waren ihm die Lösungsansätze erschienen. Vielleicht hatte es auch an der der Beauftragung durch seinen Vorgesetzten zugrunde liegenden (vermeintlichen) „hidden agenda“ gelegen oder schlicht an der Chemie zwichen ihm und dem vom Unternehmen ausgesuchten Coach. Dieses ungute Bauchgefühl hatte ihn jedenfalls veranlasst, sich nun selbst nach einem passenden Coach umzusehen und war zu CLP als auf Juristen spezialisiertes Coachingunternehmen gestoßen. Nach nur wenigen Sitzungen änderte sich unsere Thematik jedoch schlagartig: er hatte von heute auf morgen die Kündigung erhalten. Für ihn völlig überraschend galt es nun nicht mehr, den Streß im Unternehmen zu bewältigen. Sein Fokus richtete sich deshalb folgerichtig sofort auf die Suche nach einer neuen Stelle. Allerdings verliefen die ersten Gespräche erfolglos und bereits nach kurzer Zeit erlitt er einen dramtischen Zusammenbruch: Nicht der Tinitus oder der Bandscheibenvorfall und auch später nicht die Kündigung waren der Tiefpunkt gewesen: der Tiefpunkt war nun die Erkenntnis, nicht mehr gebraucht zu werden, dass sich die Räder auch ohne ihn weiterdrehten. Die Anzeichen von „Burn out“ waren unverkennbar. Mit unterstützender ärztlicher Begleitung galt es nun, Gesundheit wieder aufzubauen und grundsätzlich neue, gesunde Verhaltensmuster zu entwickeln. Die Kündigung hatte uns den dazu nötigen Raum verschafft. Gleichwohl hätte es nicht soweit kommen müssen (weder gesundheitlich noch zur Kündigung), wenn denn der Fokus der vorangegangenen Coachings nicht einseitig auf die Bedürfnisse des Unternehmens – des damaligen Auftraggebers – zugeschnitten gewesen wären.

Doch warum hatte der Verust des Arbeitsplatzes und damit das objektive Zurückgehen des Stresspegels zu einer derart dramatischen Verschlimmerung der Symptome geführt? Natürlich löst eine Kündigung auch immer psychisch-emotionalen Streß aus. Doch andererseits hatte er nun keine Meetings, keine e-Mails, keine Telefonate mehr, keine Auseinandersetzugnen mit Mitarbeitern, Vorgesetzten und Untergebenen… Es wurden keine Ansprüche mehr an ihn herangetragen, keine Herausforderungen gestellt. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass eine derart radikale Änderung des gewohnten Umfeldes, der alltäglichen Abläufe, enormen Stress auslösen kann: lang angewandte Verhaltensmuster greifen plötzlich nicht mehr, es kommt zu einer Wertekollision, oft muss das Selbstverständnis neu definiert werden. Das Ego kämpft verzweifelt um seine Komfortzone – mit Panikattacken und Existenzängsten… Hilfreich war in dieser Situation, dass wir bereits vor dem ultimativen Tiefpunkt begonnen hatten, miteinander zu arbeiten, eine Vertrauensbasis und erste Grundlagen bereits geschaffen worden waren. Darauf konnten wir aufbauen auf dem Weg zur Neuorientierung.

Doch es gibt nicht nur die Fälle, in denen die berufliche Neuorientierung durch äußere Umstäden den Betrofffenen quasi aufgezwungen wird: Mindestens ebenso häufig kommt der Wunsch, „mal etwas anderes zu machen“ eher vom Betroffenen selbst. Dabei begleitet der Gedanke an berufliche Alternativen die Betroffenene manchmal bereits seit Kindertagen oder zumindest seit Studienzeiten. Manchmal werden sie aber auch erst im Laufe einer beruflichen Karriere entwickelt – durch Vorbilder oder geschäftliche Kontakte.

Ich möchte hier das Beispiel eines Juristen anführen, der seit Jahren in einem großen Versicherungsunternehmen beschäftigt war und seitdem stetig die Karriereleiter nach oben stieg. Gleichwohl dachte er oft daran, wie es wohl wäre, sein eigener Chef, also selbstständig zu sein. Ihm ging es dabei nicht darum, eine Kanzei zu eröffnen. Nein, er trug sich seit einiger Zeit mit einer Geschäftsidee. Diese Idee faszinierte ihn. Sie schlich sich in seine Gedanken bei längeren Autofahrten, beim Joggen, aber auch immer öfter während langweiliger Meetings oder ruhiger Phasen am Schreibtisch. Und immer öfter begann er, Informationen dafür zu sammeln, zu recherchieren, Dinge dazu aufzuschreiben. Nun konnte er die Idee nicht mehr ignorieren und als Fantasie abtun. Als die Idee jedoch derart Gestalt annahm, wurde sie für ihn bedrohlich und er entschloss sich, mit CLP zu arbeiten. Das Problem war nämlich: es war nicht so einfach. Er mochte seinen Job bei der Versicherung. Er genoss die Anerkennung und die Privilegien, die mit seiner Position verbunden waren. Und er brauchte die finanzielle Sicherheit, die dieser Job ihm bot. Immerhin war er nicht allein: Er hatte Familie, seine Frau bekam gerade das zweite Kind und sie waren drauf und dran, ein Haus zu kaufen…

Wie Sie sehen, steht manchmal gerade dann, wenn alles „gut zu laufen“ scheint, eine Veränderung an, die alles auf den Kopf stellen kann… In diesen Situationen ist es besonders wichtig, einen verlässlichen Partner an seiner Seite zu haben, der den juristischen Beruf kennt und über ausreichend eigene Erfahrung verfügt, um durch diesen Prozess der Neuorientierung sicher und erfolgreich zu navigieren.

Bleiben Sie dran und lesen Sie im nächsten Beitrag, wie man auch im juristischen Beruf seine Passion finden kann.

Herzlichst,

Dr. Geertje Tutschka

PS: Wenn Sie sich für unsere Programme von Juristen für Juristen interessieren, abonnieren Sie einfach unseren kostenfreien eNewsletter unter http://www.coachingforlegals.com. Auf Sie wartet dort ein kleines Dankeschön.

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