Ihre Abstimmung hat ergeben: Ja, Juristen brauchen einen Coach!

Brauchen Juristen einen Coach?

Das Ergebnis Ihrer Abstimmung ist eindeutig:

60 % JA

20 % JA, mag sein

20 % NEIN, sie brauchen eher Humor

Auch Juristen brauchen also einen Coach.

Die Australische James Cook University hat kürzlich zusammen mit dem britischen Insititute for Employment Studies (IES) über 600 Coaching-Klienten aus 34 Ländern dazu befragt, ob Business-Coaching sinnvoll sei: 90 % der Befragten antworteten mit JA. Unser Abstimmungsergebnis spiegelt also durchaus den allgemein wachsenden Bedarf und den Stellenwert von Coaching für den beruflichen Erfolg wider. 84 % der Begraften gaben jedoch in dieser Studie auch an, so eine IES-Sprecherin, dass nicht immer alles reibungslos verlaufen sei, weil der beauftragte Coach nicht über die erforderliche Qualifikation oder das Know How verfügte.

Welche Qualifikation und welches Know How sollte also ein Coach mitbringen, damit das Coaching für den Anwalt und Juristen erfolgreich verläuft?

Die Qualifizierungsmöglichkeiten eines Coaches sind vielfältig – ebenso wie die Ausbildungsmöglichkeiten zum Coach. Diese variieren nicht nur von Land zu Land sondern sogar innerhalb eines jeden Landes. Allein die International Coach Federation (ICF) der Dachverband aller Coaches weltweit, etabliert seit einigen Jahren einheitliche, weltweit geltende Standards: die ICF – Kernkompetenzen und Ethikrichtlinien (nachzulesen hier), welche klar definierte Qualitätsmerkmale für die Coachingvereinbarung, den Kommunikationsprozess und den Coachingerfolg umreißen. Ein nach diesen Standards ausgebildeter Coach kann vom ICF später zertifiziert werden, wenn er nachweist, dass er die erforderliche Praxiserfahrung aufweist. Ähnlich wie beim Erwerb des Fachanwalts ist neben dem Erwerb der theoretischen Weiterbildung eine bestimmte Quantität und Qualität an Coachingtätigkeit erforderlich. Außerdem muss jeder Coach, der die Zertifizierung durch den ICF anstrebt, neben dieser theoretischen und praktischen Erfahrung auch noch seine Coachingarbeit mit einem erfahrenen Mentorcoach überarbeiten und überprüfen lassen. Erst wenn alle diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann sich der Coach für den Zertifizierungsprozess des ICF anmelden, der dann noch einmal eine theoretische und eine praktische Prüfung umfasst. Entscheidet sich ein Coachee/ ein Kunde also für einen ICF-zertifizierten Coach, entscheidet er sich für die höchstmögliche Qualifizierung des Coaches. Sämtliche anderen Ausbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten sind weder einheitlich messbar noch bewertbar.

Doch welches Know How sollte ein Coach unabhängig von seiner Qualifikation als Coach mitbringen? Spiegel-online berichtet von der frustierenden Erfahrung eines Juristen mit einem Business-Coach, der keinerlei Vorkenntnisse für die Anforderungen des anwaltlichen Berufes oder Erfahrung in der Arbeit mit Juristen besaß. Der Coachingprozess gestaltete sich deshalb nicht nur langwierig und zäh, weil viele alltägliche Details zum Verständnis des Coaches erst erklärt werden mussten. Sondern der Coach sprach trotz dieser Erklärungen schlicht nicht „die Sprache des Juristen“, so dass sich dieser nicht ernst genommen und verstanden fühlte. Spiegel-online kommt deshalb mit dem Juristen zu dem Ergebnis, dass neben der Qualifikation des Business-Coaches dessen eigene Erfahrung im juristischen Beruf und im Umgang mit dieser Berufsgruppe – also dessen Know How – von entscheidender Bedeutung für den Coachingerfolg beim Anwalt ist.

Sind also Qualifikation und Know How des Coaches die maßgebenden Faktoren für den Erfolg eines Coachings beim Anwalt?

Lesen Sie dazu im nächsten BLOG! Ebenso wie zu den „Tipps für die Wahl eines guten Coaches für Anwälte und Juristen“.

 

Herzlichst,

Dr. Geertje Tutschka

PS: Wenn Sie sich für unsere Programme von Juristen für Juristen interessieren, abonnieren Sie einfach unseren kostenfreien eNewsletter unter http://www.coachingforlegals.com. Auf Sie wartet dort ein kleines Dankeschön.

Internationaler Tag der Mädchen – Day of the Girl

Empowerment of and investment in girls are key in breaking the cycle of discrimination and violence and in promoting and protecting the full and effective enjoyment of their human rights” (United Nations Resolution 66/170- mehr dazu auf www. dayofthegirl.org)

Heute wird zum dritten Mal der Internationale Tag zur Unterstützung der Gleichstellung von Mädchen begangen. Die Vereinten Nationen bestimmten diesen Tag, um darauf aufmerksam zu machen, dass trotz aller Fortschritte in den letzten Jahren und Jahrzehnten wir immer noch weit davon entfernt sind, dass Mädchen die gleichen Rechte und Voraussetzungen für ein glückliches Leben haben wie Jungen – Damit wir uns immer daran erinnern, dass wir noch nicht am Ende des Weges angekommen sind. Damit das Thema Gender Diversity weiter diskutiert wird.

„Women are the world’s most underused resource.“ Hillary Rodham Clinton

Anlass genug, es auch hier zum Thema zu machen:

Würden Sie Ihrer Tochter, ihrer Schwester, Ihrer Nichte empfehlen, Anwältin zu werden? Würden Sie sie ermutigen, im Jurastudium zu den Besten zu zählen, um Richterin oder Staatsanwältin zu werden? Würden Sie Eigenschaften wie Kämpfertum, Streit- und Diskutierfreude, Führungsanspruch bei ihr fördern und unterstützen?

Und fragen Sie sich manchmal, ob der Fall anders entschieden worden wäre, wenn statt der Richterin ein Richter entschieden hätte oder wenn statt des Anwaltes auf der Gegenseite eine Anwältin gestanden hätte?

Ist es ein Unterschied, ob man Jurist oder Juristin ist? Man möchte meinen „nein“ – es stehen sowohl Frauen als auch Männern die Türen der juristischen Fakultäten offen. In der Tat studieren heute ebenso viele Männer wie Frauen Jura bzw. Jus. Doch das ist erst seit ca. 65 Jahren möglich! Obwohl das juristische Studium eines der ersten an den alten Universitäten neben Medizin und Mathematik war, wurde es Mädchen erst nach langen Kämpfen in den 20er Jahren des 20.Jahrhunderts gestattet, was jedoch durch die Nationalsozialisten nur wenige Jahre später faktisch wieder aufgehoben wurde. So ist es also erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, seit den 50er Jahren möglich, dass sowohl junge Männer als auch Frauen Juristen werden, also erst seit 65 Jahren. Hatte dies Einfluss auf den juristischen Beruf und wenn ja welchen? Heißt das, dass nahezu ebensoviele Frauen wie Männer Anwälte, Richter und Wirtschaftsjuristen sind; sich mit dem Generationenwechsel also auch die Juristinnen etablieren konnten? Oder spiegeln die juristischen Berufe ebenso wie die Wirtschaft ein Gender-Ungleichgewicht wieder, so dass hier die nächste Quotenregelung diskutiert werden könnte?

Fakt ist, dass das ausgewogene Verhältnis der Studienabsolventen nur zum Teil im juristischen Beruf abgebildet ist. Fakt ist auch, dass es länderspezifische Unterschiede gibt. Fakt ist aber auch, dass das Thema Gender Diversity gerade in diesem Jahr ein vieldiskutiertes im Zusammenhang mit dem juristischen Beruf ist: So fand im Mai in Berlin durch den DAV erstmals das Forum „Women Leader Today and Tomorrow – Anwältinnen, Unternehmerinnen, Entscheiderinnen“ statt und im September in Washington die Konferenz der Wirtschaftsjuristinnen mit dem Thema „Women, Influence and Power in Law“. Die Anwältinnen des DAV erkämpften im Frühsommer eine freiwillige Verpflichtung der Deutschen Anwaltsakademie zu einer Referentinnenquote von 30% und auf dem Östereichischen Anwaltstag in Hall in Tirol präsentierte sich die neue Arbeitsgruppe des ÖRAK (Österreichischer Rechtsanwaltskammertag) erstmals mit dem Workshop „Jurist oder Juristin – (k)ein Unterschied“. Erfreulich war nicht nur, dass dieser Workshop ausgebucht war, sondern auch, dass es nahezu gleichviele männliche wie weibliche Teilnehmer gab! Grund genug, dieses Thema nun auch mit einer größeren Runde zu diskutieren: Er wird im Dezember kostenlos als einstündiges Webinar (online-Seminar) angeboten werden. Den genauen Termin und weitere Infos bekommen Sie unter www.coachingforlegals.com mit meinem kostenlosen eNewsletter.

Gender Diversity ist also auch bei CLP – Coaching for legal professionals – ein Thema und zwar nicht nur in Workshps und Seminaren: Tatsächlich verzeichneten wir gerade im letzten Jahr einen Anstieg der weiblichen Klientinnen – Juristinnen, Anwältinnen, Studentinnen, die sich Unterstützung holten in ihren ganz persönlichen alltäglichen Herausforderungen. So wie die Studentin, die noch vor dem ersten Staatsexamen sich nicht nur über berufliche Optionen und die jeweilige Vereinbarkeit mit Familie informieren möchte, sondern mit uns ihre ganz persönliche Strategie für ihre Karriere entwickelte, die Erfolg im Beruf und das Erreichen bestimmter Positionen und Titel ebenso einschließt wie Ehe und Kinder. Warum es dem Zufall überlassen und am Ende des Weges feststellen, dass wesentliche Dinge auf der Strecke geblieben sind oder sich die Investition in das erfolgreiche Absolvieren des Studiums am Ende nicht ausgezahlt hat? Oder wie die Anwältin, die erfolgreich in einer Großkanzlei „ihren Mann steht“, jedoch seit Jahren vergeblich versucht, ihr Privatleben damit zu vereinbaren, jedes Wochenende zu ihrem Partner pendelt und ihren Kinderwunsch einfach nicht realisieren kann – ohne medizinische Indikation… Frau-zu-sein, so erzählt sie, hatte sie sich schlicht abgewöhnt.

Jurist oder Juristin  – (k)ein Unterschied?: Wählen Sie sich in mein Webinar, erfahren Sie die aktuellen Fakten und diskutieren Sie mit!

Wie Sheryl Sandberg, COO von Facebook, Aurorin des Bestsellers „Lean In – Frauen und der Wille zum Erfolg“ und Gründerin des Frauennetzwerkes „Lean In“ sagt: „Dies ist erst der Anfang der Debatte… Der Marsch geht weiter… Er zieht durch die Foyers von Regierungen, Unternehmen, Unversitäten, … Anwaltskanzleien, egal ob groß oder klein… und wird erst enden, wenn es keine weiblichen Führungskräfte mehr gibt – sondern nur noch Führungskräfte.“

Ein wichtiges Zeichen ist hierbei die aktuelle Verleihung des Friedensnobelpreises an die 17jährige Malala Yousafzai, die sich trotz Mordanschlag weiter für das Recht auf Bildung für alle Mädchen und Frauen einsetzt. Herzlichen Glückwunsch!

Und nun werde ich es für heute gut sein lassen und mit meinen drei Mädchen hinaus in die Herbstsonne gehen.

Herzlichst,Dr. Geertje Tutschka

PS: Bleiben Sie dran und lesen Sie im nächsten Beitrag endlich die Auswertung unserer Abstimmung!

Wenn Sie sich für unsere Programme von Juristen für Juristen interessieren, abonnieren Sie einfach unseren kostenfreien eNewsletter unter http://www.coachingforlegals.com. Auf Sie wartet dort ein kleines Dankeschön.

Deshalb haben sich Juristen coachen lassen… (5)

Im letzten Beitrag haben Sie erfahren, wie auch dann, wenn alles “gut zu laufen” scheint, plötzlich Veränderungen  anstehen können, die alles auf den Kopf stellen und wie wichtig es in diesen Situationen ist, einen verlässlichen Partner an seiner Seite zu haben, der den juristischen Beruf kennt und über ausreichend eigene Erfahrung verfügt, um durch diesen Prozess der Neuorientierung sicher und erfolgreich zu navigieren. Ich berichtete von Juristen, die sich freiwillig oder unfreiwillig dem Verlust ihres Arbeitsplatzes stellen mußten und einen Neuanfang jenseits des alten Berufs wagten.

Heute möchte ich von Kollegen berichten, die sich ebenfalls in schier ausweglosen Situationen befanden, sich jedoch einem Neuanfang in ihrem Beruf stellten und damit „die Flucht nach vorn“ antraten.

Der erste Fall handelt von einem Anwalt, der sich unmittelbar nach dem Studium in eine kleine Allgemeinkanzlei eingekauft hatte. Mit dem Ausscheiden des Seniors übernahm er wenige Jahre später schließlich auch noch dessen Anteil. Die Kanzlei lief mehr schlecht als recht. Die Mandanten waren in der kleinen Stadt seit Jahrzehnten unter den 10 ortsansässigen Kanzleien aufgeteilt, so dass an Expansion nicht zu denken war. Neben seinem nicht unerheblichen Bafög-Kredit musste er nun auch noch das Darlehen für den Kanzleikredit jeden Monat verdienen. Überdies drängte ihn der Senior, auch noch das Haus, in dem sich die Kanzlei befand, zu übernehmen, da es stark renovierungsbedürftig war. Unser Kollege tat was er konnte, arbeitete rund um die Uhr, doch es war abzusehen, dass die Einnahmen nicht seine Ausgaben würden decken können. Seine Ersparnisse waren so gut wie aufgebraucht. Und er musste ernüchtert feststellen, dass der gekaufte Mandantenstamm zu einem Großteil überaltert oder mit dem Senior weggeblieben war und Neukunden zu finden alles andere als einfach war. Er besuchte alle örtlichen Kleinunternehmer, stellte sich in der Stadtverwaltung vor, besuchte Stammtische und Vereine… Doch zusätzliche Einnahmen brachte dies nicht. Im Gegenteil: so wie die Stadt zusehends von jungen Leuten verlassen wurde, die sich anderswo eine Arbeit suchten, wurden auch die Mandate die blieben immer kleiner und unlukrativer. Es schien schier nicht mehr weiter zugehen: Die Kanzlei einfach zusperren und in eine Großstadt ziehen war jedoch mit dem Kredit undenkbar. Ebenso wie Neukunden innerhalb des Einzugsbereiches zu aquirieren. Kollegen hatten ihm empfohlen sich zu spezialisieren, eine Mediatorenausbildung zu machen oder einen Fachanwaltstitel. Doch dafür fehlten ihm schlicht das Geld. Auch sah er nicht, wie sich das dann auszahlen sollte. Als er zu CLP kam, waren nahezu alle laufenden Mandate PKH-Sachen, die noch nicht vor der Abrechnung standen. Was konnte man in dieser Situation tun? Der Kollege liebte seinen Beruf. Er war gern Allgemeinanwalt in der Kleinstadt. Der Haken war halt nur, dass er davon schlicht nicht leben konnte.

So wie diesem Kollegen geht es hunderten, ja tausenden Anwälten. Das mag daran liegen, dass immer mehr Kollegen auf den Anwaltsmarkt strömen, ohne sich Gedanken zu einem Businessplan gemacht zu haben. Das mag aber auch an der unzureichenden Vorbereitung und Ausbildung unserer Juristen liegen, denen außer den klassischen Berufsbildern keine Alternativen aufgezeigt werden und die in keiner Weise auf die Selbstständigkeit vorbereitet werden. Wir begannen unsere Arbeit damit, den Status Quo zu analysieren. Nach der von CLP entwickelten „Handcoaching-Methode“ sind genau fünf Schritte für eine Neuausrichtugn notwendig: den „Status Quo“ zu betrachten und zu analysieren ist der erste und damit wichtigste Schritt, eine Veränderung der Situation einzuleiten. Mit Perspektivenwechsel gelang es uns, Einkommensmöglichkeiten jenseits des traditionellen Anwaltsberufes zu definieren. Es wurde immer deutlicher, dass dieses „Gefangensein“ in der lokal gebundenen  Situation eigentlich diesem traditionellen, antiquiierten Verständnis des Anwaltsberufes entsprang und daher tatsächlich nur in der Vorstellung und Gedankenwelt unseres Anwaltes bestand. Als diese alten Denkmuster jedoch einmal aufgebrochen waren, schienen die Möglichkeiten endlos zu sein. Wir begleiteten ihn Schritt für Schritt durch jeden einzelnen der fünf Schritte unserer „Handcoaching-Methode“, entwickleten seine individuelle Strategie und begleiteten ihn bei der Umsetzung. Das Schönste war für mich dabei zu sehen, wie sein Berufstraum  – Jurist in einer Kleinstadt-Allgemeinkanzlei zu sein – gerettet werden konnte: tatsächlich und für ihn persönlich.

Der zweite Fall ereignete sich ebenfalls in einer Allgemeinkanzlei. Allerdings handelte es sich hier um eine Anwältin, die die Kanzlei unmittelbar nach dem Studium aufgemacht hatte – als sie gerade mit ihrem ersten Kind schwanger war. Bald schon kam Kinder Nummer zwei und während ihr Mann das Familieneinkommen ganztägig in seinem Job verdiente, betrieb sie die Kanzlei neben Haushalt und Kinderversorgung und deshalb größtenteils halbtags, manchmal nur stundenweise irgendwie zwischendurch. Zwar hatte sie nur geringe Kosten, da sie von einem Zimmer im eigenen Haus aus arbeitete, Mandanten meistens besuchte und kein Personal (außer der Putzfrau) beschäftigte. Doch die wenigen Stunden, in denen sie arbeiten konnte, genügten einfach nicht, einen soliden Mandantenstamm aufzubauen und kontinuierliches Einkommen zu generieren. Zeit für Marketing oder Akquise hatte sie ohnehin nicht. Die Situation lief so seit einigen Jahren, die Kinder waren mittlerweile Schulkinder und nicht mehr ganz so betreuungsintensiv, da verschärfe sich die Situation als plötzlich ihr verwitweter Vater zum Pflegefall wurde. Für sie stand außerfrage, dass sie ihn aufnehmen und pflegen würde, immerhin waren die Geschwister weit weg und hatten anspruchsvolle Jobs. Es kam wie es kommen musste: sie hatte den Aufwand der Pflege völlig unterschätzt, der Zustand ihres Vaters hatte sich rapide verschlimmert und natürlich waren die Schulkinder doch nicht so pflegeleicht wie gedacht. In ihrer Kanzlei arbeite sie nur noch nachts, Pflege, Kinder und Haushalt beanspruchten sie sieben Tage die Woche, an Urlaub war nicht mehr zu denken – ebenso an Sport oder Zeit für sich selbst und ihren Mann. Es war ein Hamsterrad, dass sich immer schneller drehte. Der Kollaps stand unmittelbar bevor. Als ihre Schwester kam, um sie und ihren Vater zu besuchen, erfasste diese sofort die Situation – wie das für Außenstehende oft so einfach ist: zwar konnte sie sie nicht bei der Pflege entlasten, riet ihr aber dringend, sich helfen zu lassen. Bei der Pflege, im Alltag und letztlich auch beim eigenen Lebensentwurf. Sie unterstützte sie sogar konkret und stellte Kontakte her und entlastete sie für die Zeit ihres Daseins. Ich begann mit der Anwältin zu arbeiten und es stellte sich heraus, dass sie zutiefst unzufrieden und ausgebrannt war. Sie liebte ihren Beruf und fühlte sich verraten in der Rolle, die die Gesellschaft und alle anderen ihr vermeintlich zuwiesen. Sie lebte offensichtlich nicht das Leben, was sie leben wollte – konnte daran jedoch nichts ändern, weil doch soviele von ihr abhängig waren. Sie erlaubte sich zum ersten Mal, an ihren Beruf und ihre Kanzlei als Business und nicht als Hobby zu denken. Wir sprachen über Zielgruppendefinition, Alleinstellungsmerkmale, Businessplan und Unternehmens-Visionen. Als die Schwester abreiste, brach die Anwältin unsere Arbeit ab: sie hatte keine Zeit mehr dafür. Offensichtlich hatte ich ihr in der kurzen Zeit noch nicht begreiflich machen können, dass sie alle Zeit die sie wollte für die ihr wichtigen Sachen haben würde, wenn sie die fünf Prinzipien der „Handcoaching-Methode“ konsequent anwenden würde. Und ich hatte ihr nicht verständlich machen können, dass die beste Sorge für andere diejenige für sich selber ist. Sie versprach sich zu melden, wenn es mal nicht mehr so viel zu tun gibt und sich etwas Zeit finden würde, daran weiter mit CLP zu arbeiten… Sie wissen, wann das sein wird. Nie. Solche Fälle lassen auch mich unzufrieden zurück. Unzufrieden und mit der Frage: Hätte ich etwas tun können, um sie zu halten…


Bleiben Sie dran und lesen Sie im nächsten Beitrag, die Auswertung unserer Abstimmung!

Herzlichst,

Dr. Geertje Tutschka

PS:

Wenn Sie mehr zu unserer Handcoaching-Methode erfahren wollen oder sich für unsere Programme von Juristen für Juristen interessieren, abonnieren Sie einfach unseren kostenfreien eNewsletter unter http://www.coachingforlegals.com. Auf Sie wartet dort ein kleines Dankeschön.