Deshalb haben sich Juristen coachen lassen… (5)

Im letzten Beitrag haben Sie erfahren, wie auch dann, wenn alles “gut zu laufen” scheint, plötzlich Veränderungen  anstehen können, die alles auf den Kopf stellen und wie wichtig es in diesen Situationen ist, einen verlässlichen Partner an seiner Seite zu haben, der den juristischen Beruf kennt und über ausreichend eigene Erfahrung verfügt, um durch diesen Prozess der Neuorientierung sicher und erfolgreich zu navigieren. Ich berichtete von Juristen, die sich freiwillig oder unfreiwillig dem Verlust ihres Arbeitsplatzes stellen mußten und einen Neuanfang jenseits des alten Berufs wagten.

Heute möchte ich von Kollegen berichten, die sich ebenfalls in schier ausweglosen Situationen befanden, sich jedoch einem Neuanfang in ihrem Beruf stellten und damit „die Flucht nach vorn“ antraten.

Der erste Fall handelt von einem Anwalt, der sich unmittelbar nach dem Studium in eine kleine Allgemeinkanzlei eingekauft hatte. Mit dem Ausscheiden des Seniors übernahm er wenige Jahre später schließlich auch noch dessen Anteil. Die Kanzlei lief mehr schlecht als recht. Die Mandanten waren in der kleinen Stadt seit Jahrzehnten unter den 10 ortsansässigen Kanzleien aufgeteilt, so dass an Expansion nicht zu denken war. Neben seinem nicht unerheblichen Bafög-Kredit musste er nun auch noch das Darlehen für den Kanzleikredit jeden Monat verdienen. Überdies drängte ihn der Senior, auch noch das Haus, in dem sich die Kanzlei befand, zu übernehmen, da es stark renovierungsbedürftig war. Unser Kollege tat was er konnte, arbeitete rund um die Uhr, doch es war abzusehen, dass die Einnahmen nicht seine Ausgaben würden decken können. Seine Ersparnisse waren so gut wie aufgebraucht. Und er musste ernüchtert feststellen, dass der gekaufte Mandantenstamm zu einem Großteil überaltert oder mit dem Senior weggeblieben war und Neukunden zu finden alles andere als einfach war. Er besuchte alle örtlichen Kleinunternehmer, stellte sich in der Stadtverwaltung vor, besuchte Stammtische und Vereine… Doch zusätzliche Einnahmen brachte dies nicht. Im Gegenteil: so wie die Stadt zusehends von jungen Leuten verlassen wurde, die sich anderswo eine Arbeit suchten, wurden auch die Mandate die blieben immer kleiner und unlukrativer. Es schien schier nicht mehr weiter zugehen: Die Kanzlei einfach zusperren und in eine Großstadt ziehen war jedoch mit dem Kredit undenkbar. Ebenso wie Neukunden innerhalb des Einzugsbereiches zu aquirieren. Kollegen hatten ihm empfohlen sich zu spezialisieren, eine Mediatorenausbildung zu machen oder einen Fachanwaltstitel. Doch dafür fehlten ihm schlicht das Geld. Auch sah er nicht, wie sich das dann auszahlen sollte. Als er zu CLP kam, waren nahezu alle laufenden Mandate PKH-Sachen, die noch nicht vor der Abrechnung standen. Was konnte man in dieser Situation tun? Der Kollege liebte seinen Beruf. Er war gern Allgemeinanwalt in der Kleinstadt. Der Haken war halt nur, dass er davon schlicht nicht leben konnte.

So wie diesem Kollegen geht es hunderten, ja tausenden Anwälten. Das mag daran liegen, dass immer mehr Kollegen auf den Anwaltsmarkt strömen, ohne sich Gedanken zu einem Businessplan gemacht zu haben. Das mag aber auch an der unzureichenden Vorbereitung und Ausbildung unserer Juristen liegen, denen außer den klassischen Berufsbildern keine Alternativen aufgezeigt werden und die in keiner Weise auf die Selbstständigkeit vorbereitet werden. Wir begannen unsere Arbeit damit, den Status Quo zu analysieren. Nach der von CLP entwickelten „Handcoaching-Methode“ sind genau fünf Schritte für eine Neuausrichtugn notwendig: den „Status Quo“ zu betrachten und zu analysieren ist der erste und damit wichtigste Schritt, eine Veränderung der Situation einzuleiten. Mit Perspektivenwechsel gelang es uns, Einkommensmöglichkeiten jenseits des traditionellen Anwaltsberufes zu definieren. Es wurde immer deutlicher, dass dieses „Gefangensein“ in der lokal gebundenen  Situation eigentlich diesem traditionellen, antiquiierten Verständnis des Anwaltsberufes entsprang und daher tatsächlich nur in der Vorstellung und Gedankenwelt unseres Anwaltes bestand. Als diese alten Denkmuster jedoch einmal aufgebrochen waren, schienen die Möglichkeiten endlos zu sein. Wir begleiteten ihn Schritt für Schritt durch jeden einzelnen der fünf Schritte unserer „Handcoaching-Methode“, entwickleten seine individuelle Strategie und begleiteten ihn bei der Umsetzung. Das Schönste war für mich dabei zu sehen, wie sein Berufstraum  – Jurist in einer Kleinstadt-Allgemeinkanzlei zu sein – gerettet werden konnte: tatsächlich und für ihn persönlich.

Der zweite Fall ereignete sich ebenfalls in einer Allgemeinkanzlei. Allerdings handelte es sich hier um eine Anwältin, die die Kanzlei unmittelbar nach dem Studium aufgemacht hatte – als sie gerade mit ihrem ersten Kind schwanger war. Bald schon kam Kinder Nummer zwei und während ihr Mann das Familieneinkommen ganztägig in seinem Job verdiente, betrieb sie die Kanzlei neben Haushalt und Kinderversorgung und deshalb größtenteils halbtags, manchmal nur stundenweise irgendwie zwischendurch. Zwar hatte sie nur geringe Kosten, da sie von einem Zimmer im eigenen Haus aus arbeitete, Mandanten meistens besuchte und kein Personal (außer der Putzfrau) beschäftigte. Doch die wenigen Stunden, in denen sie arbeiten konnte, genügten einfach nicht, einen soliden Mandantenstamm aufzubauen und kontinuierliches Einkommen zu generieren. Zeit für Marketing oder Akquise hatte sie ohnehin nicht. Die Situation lief so seit einigen Jahren, die Kinder waren mittlerweile Schulkinder und nicht mehr ganz so betreuungsintensiv, da verschärfe sich die Situation als plötzlich ihr verwitweter Vater zum Pflegefall wurde. Für sie stand außerfrage, dass sie ihn aufnehmen und pflegen würde, immerhin waren die Geschwister weit weg und hatten anspruchsvolle Jobs. Es kam wie es kommen musste: sie hatte den Aufwand der Pflege völlig unterschätzt, der Zustand ihres Vaters hatte sich rapide verschlimmert und natürlich waren die Schulkinder doch nicht so pflegeleicht wie gedacht. In ihrer Kanzlei arbeite sie nur noch nachts, Pflege, Kinder und Haushalt beanspruchten sie sieben Tage die Woche, an Urlaub war nicht mehr zu denken – ebenso an Sport oder Zeit für sich selbst und ihren Mann. Es war ein Hamsterrad, dass sich immer schneller drehte. Der Kollaps stand unmittelbar bevor. Als ihre Schwester kam, um sie und ihren Vater zu besuchen, erfasste diese sofort die Situation – wie das für Außenstehende oft so einfach ist: zwar konnte sie sie nicht bei der Pflege entlasten, riet ihr aber dringend, sich helfen zu lassen. Bei der Pflege, im Alltag und letztlich auch beim eigenen Lebensentwurf. Sie unterstützte sie sogar konkret und stellte Kontakte her und entlastete sie für die Zeit ihres Daseins. Ich begann mit der Anwältin zu arbeiten und es stellte sich heraus, dass sie zutiefst unzufrieden und ausgebrannt war. Sie liebte ihren Beruf und fühlte sich verraten in der Rolle, die die Gesellschaft und alle anderen ihr vermeintlich zuwiesen. Sie lebte offensichtlich nicht das Leben, was sie leben wollte – konnte daran jedoch nichts ändern, weil doch soviele von ihr abhängig waren. Sie erlaubte sich zum ersten Mal, an ihren Beruf und ihre Kanzlei als Business und nicht als Hobby zu denken. Wir sprachen über Zielgruppendefinition, Alleinstellungsmerkmale, Businessplan und Unternehmens-Visionen. Als die Schwester abreiste, brach die Anwältin unsere Arbeit ab: sie hatte keine Zeit mehr dafür. Offensichtlich hatte ich ihr in der kurzen Zeit noch nicht begreiflich machen können, dass sie alle Zeit die sie wollte für die ihr wichtigen Sachen haben würde, wenn sie die fünf Prinzipien der „Handcoaching-Methode“ konsequent anwenden würde. Und ich hatte ihr nicht verständlich machen können, dass die beste Sorge für andere diejenige für sich selber ist. Sie versprach sich zu melden, wenn es mal nicht mehr so viel zu tun gibt und sich etwas Zeit finden würde, daran weiter mit CLP zu arbeiten… Sie wissen, wann das sein wird. Nie. Solche Fälle lassen auch mich unzufrieden zurück. Unzufrieden und mit der Frage: Hätte ich etwas tun können, um sie zu halten…


Bleiben Sie dran und lesen Sie im nächsten Beitrag, die Auswertung unserer Abstimmung!

Herzlichst,

Dr. Geertje Tutschka

PS:

Wenn Sie mehr zu unserer Handcoaching-Methode erfahren wollen oder sich für unsere Programme von Juristen für Juristen interessieren, abonnieren Sie einfach unseren kostenfreien eNewsletter unter http://www.coachingforlegals.com. Auf Sie wartet dort ein kleines Dankeschön.

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