Choose your Battles!

Berliner Mauer 1989 – 25 Jahre Grenzöffnung

Heute, am 09.November 1989, wurden die Grenzen der ehemaligen DDR geöffnet.

Nicht planmäßig, nicht erwartet, nicht vorbereitet. Die mangelnden deutschen Sprachkenntnisse eines italienischen Jounalisten und die Unfähigkeit eines Politikers führten zu einem Mißverständnis – und bewirkten dieses historische Ereignis. Historisch vor allem deshalb, weil es das Leben von Millionen von Menschen für immer veränderte. Und schließlich zur Wiedervereinigung beider deutscher Staaten führte. Dieses historische Ereignis hatte definitiv keine Schatten vorausgeworfen. Im Gegenteil: die Grenzöffnung stand im Schatten der friedliche Revolution, die in den Botschaften mit einigen hundert Ausreisewilligen Monate zuvor begonnen hatte und montags in der Leipziger Nikolaikirche zu einer Bewegung von zehntausenden Menschen angewachsen war.

„Die Grenzen der DDR sind geöffnet…“ Die meisten von uns, zumindest ab einem bestimmten Jahrgang, erinnern sich heute noch 25 Jahre danach an diesen Moment, als sie diesen Satz zum ersten Mal hörten: live im Radio, im Fernsehen oder von Freunden und Familie, die plötzlich vor der Tür standen (im Osten) oder anriefen (im Westen).

Wo waren Sie als dieser historische Satz verkündet wurde?

Ich putzte… Ich war 18, kurz vor meinem 19. Geburtstag. Im Sommer hatte ich mein Abitur mit Auszeichnung bestanden. Alle meine Mitschüler waren nun irgendwo auf Universitäten. Nur ich nicht. Ich durfte nicht studieren. Zuviel war passiert… ich und meine Eltern waren nicht in der richtigen Partei, lasen nicht die richtigen Bücher, sangen nicht die richtigen Lieder, hatten nicht die richtigen Freunde; und ich sagte zu laut und deutlich, was ich wirklich dachte. So wohnte ich noch bei meinen Eltern. Immerhin hatte ich es geschafft, beim Vorspiel als Berufscellistin am Theater in der benachbarten Stadt zu überzeugen und arbeitete  nun  seit einigen Wochen als Cellistin – in einem Beruf, den ich nie wollte. Zu fremdbestimmt, zu handwerklich, zu wenig intellektuell herausfordernd.

Es war eine trüber Donnerstag im November und am nächsten Tag sollte mein Freund aus Berlin kommen, um mit mir Geburtstag zu feiern. Als Cellistin war ich tagsüber oft zu Hause; ich arbeitete vor allem abends und an den Wochenenden, doch nicht dieses Wochenende. Wir hatten nichts besonderes vor. Meine Familie war verreist. Als ich die Nachricht im Radio vernahm, konnte ich es nicht fassen. Ich schaltete unser kleines Kofferradio an und fing an zu putzen, viel zu aufgeregt, um still neben dem Radio sitzen zu können. So schrubbte ich also die Böden, putzte die Fenster, wischte jeden Milimeter… und nur wenn Musik lief, kam der Staubsauger zum Einsatz, um kein Wort im Radio zu verpassen… So vergingen Stunden. Ein Bericht folgte dem nächsten. Unsere Wohnung war noch nie so sauber gewesen. Als später die Live-Schaltugnen von der Berliner Mauer und den Grenzübergängen hinzukamen, stand fest, dass ich am kommenden Tag nach Berlin fahren würde. Und als mein Freund am nächsten Tag kam, sprang ich in sein Auto und wir fuhren sofort zurück nach Berlin, nach Westberlin, um es mit eigenen Augen zu sehen. Die Grenzen der DDR waren tatsächlich geöffnet… Jeder, der an diesem Tag durch Berlin ging, konnte es spüren – wir spürten es: etwas Gewaltiges war geschehen, was alles verändern würde. Ein Jahr später war ich an einer westdeutschen Universität eingeschrieben: Rechtswissenschaften. Ich wollte endlich verstehen wie alles zusammenhing…

Heute frage ich mich, was aus mir geworden wäre, wenn es diesen 09. November 1989, die Öffnung der Mauer nicht gegeben hätte. Ich durfte nicht studieren, hatte bereits mit 18 Jahren eine Stasiakte und beruflich kaum eine Zukunft. Trotzdem habe ich im Sommer 1989 nicht daran gedacht, das Land über die Prager Botschaft zu verlassen – es war nicht meine Art, vor etwas davonzulaufen und ich war wohl auch nicht impulsiv genug. Ich blieb auch bewußt den Montagsdemonstrationen vor der Leipziger Nikolaikirche fern. Das war nicht mein Kampf. Als überzeugte Atheistin sprachen die Friedensgebete schlicht nicht meine Sprache. Auch glaubte ich weniger an das politische Potenzial dieser Demonstrationen als vielmehr an das unkontrollierbare Gewaltpotenzial der Mitläufer. Tatsächlich – so stellte sich erst viele Jahre später heraus – hätte ich als Demonstrantin meinem späteren Mann als Einsatzkraft mit Waffe gegenübergestanden, wenn nicht auch er sich bewußt der Teilnahme an diesen Montagsdemos wiedersetzt hätte.

„Choose your Battles!“ Ich hatte meinen Kampf gewählt.

Es hat nicht meiner Anwesenheit in Prag oder Leipzig bedurft, um die Grenzöffnung zu vollenden. Vielleicht hat es noch nicht einmal Prag und Leipzig bedurft, um dieses politische Mißverständnis herbeizuführen, welches dann zu diesem historischen Satz führte. Die Demonstrationen allein hätten niemals zum Ziel geführt. Dass aber so viele und immer mehr ihren Wunsch nach Freiheit artikulierten – in Prag, in Leipzig und in jeder einzelnen Stadt an jedem einzelnen Tag – war sicher ein ganz wesentlicher Faktor. Ich glaube ganz fest daran, dass die wahre Kraft darin besteht, etwas von ganzem Herzen zu wollen und es laut zu fordern. Nur so kann es erreicht werden. Manchmal mit den unerwartetsten, unplanmäßigsten und unvorbereitetsten Dingen: wie die mißverständliche Aussage eine unfähigen Politikers auf die Frage eines ausländischen Journalisten, die die Macht hat, einem politischen System die Grundlage zu entziehen…

Wählen Sie IHRE Herausforderungen! Formulieren Sie sie laut und deutlich. Wählen Sie dann Ihren ganz persönlichen Weg, sich diesen zu stellen! Und egal wie oft Sie dieser Weg in die Irre führt, Sie stolpern oder Umwege gehen müssen: wenn es Ihr Weg ist, dann behalten Sie Ihr Ziel im Auge, dann gibt es Ihnen die Kraft weiterzumachen und es jeden einzelnen Tag laut und deutlich in die Welt zu rufen. Bis es laut und deutlich genug ist und der Tag kommt, an dem ein unerwartetes, unplanmäßiges und unvorbereitetes Ereignis eintritt und Ihr Leben für immer verändert – weil Sie Ihr Ziel erreicht haben.

In diesem Sinne: Choose your Battles!

Herzlichst,

Dr. Geertje Tutschka

PS: Wenn Sie Ihr Ziel nicht finden können oder Sie professionelle Unterstützung bei der Erreichung Ihres Zieles, dem Weg brauchen, dann kann Coaching oder Mentoring Ihnen eine gute Hilfe sein: Probieren Sie eine kostenfreie Coaching – Discovery Session (alle Infos dazu hier). Für Angebote abonnieren Sie meinen kostenfreien eNewsletter unter http://www.coachingforlegals.com. Auf Sie wartet dort unser TIME SAVER als kleines Dankeschön.

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