Warum uns Dankbarkeit zum Ziel führt…

Happy Thanksgiving – Der höchste Feiertag in den USA ist Familie und Freunden gewidmet. Am vierten Donnerstag im November – zumeist zu Beginn der Adventzeit – wird der besonderen Danksagung der Pilgrims an die amerikanischen Ureinwohner gedacht. Diese hatten im Herbst 1621 ein dreitägiges Erntedankfest für den dort ansässigen Stamm der Wampanoag gefeiert, genau ein Jahr nachdem sie mit der Mayflower unmittelbar vor Wintereinbruch nach einer viel zu langen zweimonatigen, katastrophalen Schiffsreise angekommen waren. Die Neuankömmlinge nannten ihren Ankunftsort nach ihrer alten Heimat: Plymouth, New England bzw. Massachusetts.

Sie waren 1620  mit 130 Personen an Board, darunter viele Frauen und Kinder in Plymouth, England aufgebrochen. Als Pilgrims/Puritaner waren sie in Europa verfolgt und wollten sich in der Neuen Welt ein neues Leben aufbauen. Ursprünglich waren sie auf dem Weg in das südlichere Virginia, erreichten jedoch krank, halb verhungert und nur noch mit der Hälfte der Passagiere schließlich die Neue Welt weiter nördlich. Der Winter stand unmittelbar bevor und an Hausbau und das Anlegen von Vorräten für den hier oben ohnehin viel härteren Winter war nicht mehr zu denken. Die Neue Welt stellte sich in vielerlei Hinsicht anders und fremder dar, als angenommen. So blieben die wenigen Überlebenden zunächst auf dem Schiff vor der Küste und kämpften schlicht ums nackte Überleben. Den dort ansässigen Wampanoag blieb dies nicht verborgen. Sie teilten schließlich ihre Vorräte mit den Neuankömmlingen, zeigten ihnen Wasserquellen und wie man dort Häuser baut und Mais anbaut – ein den Pilgrims bis dahin unbekanntes Gemüse. Und obwohl die Ureinwohner schon bald an den vielen mitgebrachten Krankheiten der Neuankömmlinge erkrankten und starben, halfen sie weiter. Als dann schließlich im Herbst ein Jahr später mit Hilfe der Wampanoag die erste Ernte eingefahren werden konnte, bedankten sich die Pilgrims mit der Idee des Erntedankfestes, entwickelten diese jedoch weiter zu einer Dankesfeier für ihre Familien und die neugewonnenen Freunde.

So jedenfalls lernt es jedes amerikanische Schulkind. Historisch belegt sind zumindest diverse derartiger Feierlichkeiten auf dem gesamten nordamerikanischen Kontinent um 1600 – Grund genug, dies zum Nationalen Feiertag zu erklären, an welchem Freunde und Familien oft das einzige Mal im Jahr alle zusammenfinden. Ab Mittwoch Mittag herrscht Ferertagsstimmung, die Flughäfen quellen über vor Menschen und es gilt vier Tage Holiday zu genießen (inklusive Truthahnessen, Thanksgiving Parade, Sportevent und Black Friday Sale). Vier Tage, soviel zum Verständnis, sind in Anbetracht eines Jahresurlaubs von 10 Tagen und nur wenigen wirklich freien Feiertagen im Jahr (selbst Weihnachten hat nur einen Tag) für amerikanische Verhältnisse sehr, sehr lang.

Uns hier im deutschen Kulturkreis ist diese Form der Danksagung fremd. Allein den Christen scheint es vorbehalten, sich zum Erntedankfest im Oktober dankbar an ihren Gott zu wenden – nicht jedoch an Freunde und Familie.

Warum also sollten wir dankbar sein? Ist dies nicht eine eher überholte  Vorstellung, geboren aus der Abhängigkeit von anderen? Heute sind wir unabhängig, eigenständig, selbstbewußt. Wir wissen, was uns zusteht und sind bereit dafür einzustehen. Wir haben unser Leben, unsere Karriere aus eigener Kraft gemeistert – trotz aller Widrigkeiten und Rückschläge.

Bei all dieser Fokussierung auf die Verwirklichung unserer Träume und die Befriedigung unserer Wünsche: fühlen wir uns dabei wirklich angenommen und glücklich? Ist es das wirklich, was wir brauchen? Verlieren wir nicht allzu oft den Kontakt zum Augenblick beim ewigen Weiterhasten zum nächsten Etappenziel? Um wieviel ruhiger und erfüllender kann da ein Moment sein, in dem wir innehalten, die Augen schließen und das Gesicht der hellen, warmen Sonne zuwenden. Plötzlich hören wir das Vogelzwitschern um uns, das sanfte Rauschen der letzten Herbstblätter, das Klacken der Hundezehen auf dem Asphalt… Aufmerksamkeit im Augenblick gibt Dir die Freude zurück, dass was Du tust gern zu tun (Eckhart Tolle). Und gleichzeitig ein Gefühl der Demut. Der Demut vor dem Sein schlechthin und damit eine tief empfundene Dankbarkeit – nicht gegenüber irgendwem oder gegenüber einem Gott, sondern gegenüber dem Leben an sich: Und aus Zerrissenheit wird Eins, aus Gehetzsein Ruhe und aus Bedrohung Frieden.

Das führt uns jedoch zum nächsten Punkt: seine Dankbarkeit zu zeigen und zu leben heißt, anderen etwas Gutes zu tun – sich zu kümmern, zu sorgen, zu helfen. Nichts anderes haben auch die Pilgrims getan. Der wesentliche Aspekt dabei ist jedoch, dass dieses Geben vor allem beim Gebenden positive Gefühle auslöst, die motivieren, Energie liefern und Kreativität erzeugen. Für die Nehmenden wiederum bedeutet es, Hilfe annehmen zu können – eine Eigenschaft, die viele verlernt haben, weil sie mit Vertrauen und Loslassenkönnen zu tun hat. Aber auch mit Vergebung – nicht zuletzt für die eigenen Unzulänglichkeiten (siehe Colin Tipping in „Radical Forgivnes“). Wer es jedoch schafft, sich wieder gern diesem Gefühl des Annehmens zu öffnen ist auch bereit für den nächsten Schritt: um Hilfe zu bitten. Insoweit ist die Geschichte des ersten Thanksgivings, die Geschichte der Mayflower und der Pilgrims eine wudnerbare Parabel über die Dankbarkeit in all ihren Facetten.

Und warum soll uns Dankbarkeit letztendlich zum Ziel führen?

Wenn wir lernen, wieder im Augenblick zu leben, Aufmerksamkeit im Jetzt zu konzentrieren, bündeln wir Energiereserven und schärfen wir unseren Blick für die Dinge, die uns wirklich wichtig sind im Leben. Wir justieren unsere Ziele und ebnen den Weg dorthin. Balast und Blockaden aus alten Mustern, die uns daran hinderten, um Hilfe zu bitten oder Hilfe anzunehmen, streifen wir ab und setzen auch so wiederum Energie frei, die wir vorher dafür verwendet haben, diese Blockaden und Muster aufrecht zuerhalten.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen eine simple Übung für heute mit auf den Weg geben: Nehmen Sie sich heute 5 Minuten Zeit, schließen Sie die Augen atmen Sie mehrmals tief durch. Dann halten Sie den Atem an und konzentrieren sich darauf, wofür Sie – ganz spontan – dankbar sind. Halten Sie diesen Gedanken fest und atmen Sie nun weiter ruhig und gleichmäßig ein und aus. Versuchen Sie sich vorzustellen, wo dieser Gedanke, dieses Gefühl in Ihrem Körper sitzt. Hat er keine feste Stelle, ziehen Sie ihn in Gedanken dorthin, wo er Ihnen richtig erscheint. Wenn Sie diese Stelle lokalisiert haben, stellen Sie sich vor, wie jedes Einatmen und Ausatmen diese Stelle durchspühlt und den Gedanken, diese Gefühl wie ein Häufchen Kohlen mit dem Blasebag zum Aufglühen bringt. Bis Sie Funken aufstoben sehen, immer mehr und mehr, und Sie das Glühen Ihres Gedankens nicht nur vor Ihrem inneren Auge sehen können, sondern nun auch dessen Glut und steigende Hitze spüren… Verabschieden sie sich mit einem Lächeln von Ihrem inneren Bild und kehren Sie in das Hier und Jetzt zurück.

In diesem Sinne: Vielen Dank!

Herzlichst,

Dr. Geertje Tutschka

PS: Wenn Sie sich für unsere Programme von Juristen für Juristen interessieren, abonnieren Sie einfach unseren kostenfreien eNewsletter unter http://www.coachingforlegals.com. Auf Sie wartet dort unser TIME SAVER als kleines Dankeschön.

 

Brendon Burchard: Gratitude -focus on positive things and what I want, like to become.

 

 

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