Wissen Sie, wessen Sprache Sie sprechen?

Sie sind Jurist, Anwalt vielleicht oder Richter. Nach Jahren des Studiums und der praktischen Ausbildung haben Sie ein fundiertes Verständnis unseres Rechtssystems entwickelt, verstehen internationale und politische Zusammenhänge.

Doch Ihr Unrechtsbewusstsein, Ihr Gerechtigkeitsempfinden wurde bereits viel früher angelegt: Bereits in den ersten drei Lebensjahren werden die Grundlagen gelegt, mit der Entwicklung der Sprache und des komplexen Denkens wird es weiterentwickelt und schon in den ersten Schuljahren ist der Aufbau Ihres Unrechtsbewusstseins, Ihres Gerechtigkeitsempfindens weitgehend abgeschlossen, ja Sie haben sogar bereits ein gewissen Verständnis für die Begriffe Moral, Recht und Ordnung gebildet.

So ist Ihr Unrechtsbewusstsein, Ihr Gerechtigkeitssinn einerseits als Teil Ihrer Individualität bereits genetisch/biologisch angelegt aber genauso auch das Produkt Ihrer elterlichen und „gesellschaftlichen“ Erziehung sowie Ihrer Interaktion mit anderen Menschen. Diese im frühen Kindesalter gebildeten Erfahrungen prägen unser Denken und Fühlen in unserem gesamtes weiteren Leben – weil Sie schon in Ihrer Anlage unmittelbar mit Gefühlen, mit Empfindungen verknüpft worden sind – mit positiven ebenso wie mit negativen.

Der spätere Unterricht in Ethik und Philosophie sowie das Jurastudium und weitere Ausbildungen können unsere Gerechtigkeitsempfinden allenfalls noch auf der geistig-intelektuellen Ebene weiterentwickeln.

Was hat also heute einen stärkeren Einfluss auf unsere juristischen Entscheidungen über „Gut oder Böse“, über „Richtig oder Falsch“? Sie ahnen es bereits!

Doch ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf einen bislang eher „ungesehenen“ Fleck, einen „“blinden Fleck“ gerade in Deutschland, richten: Die heute in Deutschland vorherrschenden Moralvorstellungen, unsere Vorstellungen von „Recht und Ordnung“, ja selbst unsere Rechtsordnung insgesamt sind zwar das Produkt des Nationalsozialismus und dessen Überwindung. Kaum beachtet wurde jedoch, dass die Menschen, die diese Zeit des Nationalsozialismus tatsächlich erlebt haben, nicht nur selbst aufgrund von Gewalterfahrungen, Heimatverlust und Existenzängsten traumatisiert waren, sondern vielfach diese Erfahrungen unreflektiert als „Lebenserfahrungen“ und „Überzeugungen von Moral, Recht und Ordnung“ an die nächsten Generationen übertragen haben, eben genau in diesen ersten Lebensjahren die nächste Generation entsprechend geprägt haben. Diese Nachkriegsgeneration wiederum hat diese Prägung an die nächste Generation weitergegeben, nur dass diese Generationen nach dem Krieg diese „unreflektierten, persönlichen Erfahrungen“ der Kriegs-Elterngeneration nun nichtmehr mit individuellen Erfahrungen aus dem Krieg verknüpfen, sondern als „allgemeingültig“ ihrem Gerechtigkeitsempfinden zugrunde legen, ja dieses darin verwurzeln.

Natürlich wissen wir in Deutschland um unsere gesamtgesellschaftlichen nationalsozialistischen Wurzeln; tagtäglich werden wir darauf gestoßen, tagtäglich findet hier öffentlich Vergangenheitsbewältigung statt. Doch weiß wirklich jeder einzelne von uns, welche ganz persönlichen und individuellen Erfahrungen von Vertreibung, KZ, Gewalt und Tod, Täterschaft, Gehorsam und missbrauchter Verantwortung und Macht unserer Vorfahren in uns „wurzeln“?

Haben Sie sich jemals aktiv mit ihrer ganz persönlichen Familien – Kriegs – Geschichte befasst und auseinandergesetzt?

Nur dann können Sie aber verstehen, warum Ihr Sinn für Gerechtigkeit, Ihre Vorstellung von Moral, Recht und Ordnung, Ihre Vorstellung von Opfern und Tätern so sind, wie sie sind: und wessen Sprache Sie als Jurist, als Anwalt, Richter oder Justitiar, wirklich sprechen.

Begeben Sie sich auf Spurensuche!

Nicht nur um Ihre Eltern und Großeltern besser zu verstehen. Sondern um sich selbst zu verstehen und persönliche, familienbedingte „blinde Flecken“ in Ihrer Arbeit als Jurist zu erkennen!

Es lohnt sich.

Herzlichst,

Ihre Dr. Geertje Tutschka

PS: Wenn Sie sich nicht allein auf Spurensuche begeben möchten, schauen Sie bei http://www.coachingforlegals.com vorbei oder abonnieren Sie unsere kostenfreien eNewsletter!

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