Business-Coaching für Juristen – Wie aus Juristen gute Torschützen werden


Business Coaching für Juristen:
Wie aus Juristen gute Torschützen werden

Was ist der Unterschied zwischen einem Freizeit-Kicker und einem Profi-Fußballer? Der Ball ist rund, entscheidend is auf’m Platz und jedes Spiel dauert neunzig Minuten. Doch während die Leidenschaft für den Amateur im Vordergrund steht, ist Spielfreude für den Profi höchstens noch Mittel zum Zweck. Für den geht es um Marktwert, um wirtschaftlichen Erfolg. Der wird an Toren gemessen, nicht an Schönheit oder balltänzerischer Eleganz.

Ganz ähnlich ist das bei uns Juristen. Für einen Profi hält sich jeder: Wie die Fußballgötter haben wir schließlich eine kräftezehrende Ausbildung und harte Auslese durchlaufen, um von dem, was wir tun, leben zu können. Viele von uns halten jedoch Erfahrung, (Verhandlungs-) Geschick und (Fach-)Wissen für die entscheidenden Werte und verwechseln die Erfolge für ihre Mandanten mit den eigenen. Dass es um das Tore Schießen geht, um den harten wirtschaftlichen Erfolg, wird dabei übersehen.

Wo, bitte, geht’s denn hier zum Tor?

Was vielen Anwälten und Kanzleien fehlt, ist eine ausgewiesene Strategie. Das liegt nicht so sehr daran, dass Juristen von Strategie nichts verstehen. Ein Ziel zu definieren, dieses anzuvisieren und taktisch darauf hinzuarbeiten, ist für uns Anwälte allgegenwärtig, wenn wir uns um die Ansprüche unserer Mandanten kümmern. Doch wie Schuster, die die schlechtesten Schuhe haben, legen wir zu wenig Wert auf das Entwickeln und Verfolgen einer eigenen Geschäftsstrategie. Studien zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht allein von der Qualität der Dienstleistung, sondern mindestens genauso von der persönlichen Zielsetzung des Unternehmensinhabers, vom Businessplan und der Geschäftsstrategie sowie von der Implementierung von Strukturen und Systemen abhängt[1]. Allein auf Akquisition, Aus- und Weiterbildung zu setzen, genügt also auch bei uns Anwälten nicht. Dass es bei der Implementierung von Strukturen und Prozessen, also bei Kanzleiorganisation und -management Optimierungsbedarf gibt, ist bekannt. Dort jedoch zu beginnen hieße, das Pferd von hinten aufzuzäumen.

Bei achtzig Prozent der Kanzleien fehlt es in Zeiten, in denen der stärker werdende Konkurrenzdruck das wirtschaftliche Bewusstsein weckt, an der persönlichen und unternehmerischen Strategie[2], die den wirtschaftlichen Erfolg unserer anwaltlichen Tätigkeit sichert und dabei die Besonderheiten und Vorgaben unseres Berufsstands ebenso berücksichtigt wie die private Zufriedenheit. Es fehlt also an den Grundvoraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg.

Die Dringlichkeit steigt. 164.000 Anwälte sind in Deutschland zugelassen[3]. Seit 1990 hat sich die Zahl der Zulassungen verdreifacht. Kamen 1950 noch 5.000 Einwohner auf einen Anwalt, sind es jetzt nur noch 500[4]. Die rechtswissenschaftlichen Studiengänge sind trotz Zugangsbeschränkungen überfüllt. Ein Anwalt verdient heute mit derselben Tätigkeit weniger als noch vor Jahren[5].
In anderen Branchen lässt man sich in solchen Zeiten durch Coaching helfen. Unter Juristen ist das eher selten. Wenn Life- und Business-Coaches uns Anwälte dann auch noch mit Führungskräften in der Wirtschaft vergleichen und bemängeln, dass „viele Rechtsanwälte weit davon entfernt seien, die Anforderungen an wirtschaftlich erfolgreiche Partner zu erfüllen“[6], wird klar, dass es da allseitiger Aufklärung bedarf. Zum einen bei den Beratern, die schlicht noch nicht verstanden haben, dass es unserem Selbstverständnis als freier Beruf und den Anforderungen an uns als Organ der Rechtspflege widerspricht, beruflich wie Executives und Manager in der freien Wirtschaft zu agieren. Um beim Sportbild zu bleiben: Hier verlangt ein Basketballcoach vom Fußballspieler, es mit Korbwürfen zu versuchen. Das funktioniert in der Tat nicht. Zum anderen aber auch bei uns Juristen. Ein Fußballteam würde sicher nicht auf die Idee kommen, einen Basketballcoach zu verpflichten. Akzeptiert wird nur, wer die Spielregeln kennt und eigene Spiel- und Turniererfahrung mitbringt. So wie ein Fachanwalt für IT-Recht PC-und Internet-Erfahrung mitbringen muss. Warum also Coaches aus anderen Branchen buchen und sich später vorwerfen lassen, dass der Coaching-Erfolg nur deshalb nicht eingetreten sei, weil man selbst nicht coachbar wäre[7]? Es gibt Alternativen: Coaches, die Ihre Sprache sprechen. Coaches, die selbst erfahrene Juristen sind. Die sich wie Anwälte explizit zur Verschwiegenheit verpflichten und mit einer Berufshaftpflichtversicherung arbeiten. Die die Anforderungen an gesicherte Datenübertragungen und § 15 FAO[8] kennen.

Das, was für den Fußballprofi der Fußballtrainer ist, ist für den Anwalt der Anwaltscoach: Gutes, solides Business-Coaching für Anwälte und Juristen kann nur von Anwälten und Juristen geleistet werden, die wissen, auf was es in unserer Branche ankommt und über eine zertifizierte professionelle Coachingausbildung verfügen[9]. Vielleicht klappt es so auch wieder mit dem Tore Schießen.

 

In diesem Sinne!

Herzlichst,

Ihre Dr. Geertje Tutschka

PS: Interesse an Business-Coaching für Juristen und Anwälte von qualifizierten Anwalts-Coaches? Dann fordern Sie jetzt Ihren Besprechungstermin unter office@coachingforlegals.com an.

PPS: Dieser Beitrag von CLP erscheint in der aktuellem Sonderausgabe der NJW Heft 24/2015 am 10.06.2015!

[1] aus: The E-Myth Attorney; M. Gerber, R. Armstrong (JD), S.Fisch (JD)

[2] aus: The E-Myth Attorney; M. Gerber, R. Armstrong (JD), S.Fisch (JD)

[3] BRAK-Statistik vom 01.01.2015, wobei 60 % zwischen 30 und 50 Jahren sind, sich also in der sog. Rush-Hour des Lebens mit Doppelbelastung durch Familien und Beruf befinden

[4] BRAK-Statistik vom 01.01.2015, auch wenn die Streitwilligkeit des einzelnen Mandanten wohl steigt, was wiederum auf den Konkurrenzdruck innerhalb der Anwaltschaft zurückgeführt werde könnte

[5] Als wäre dies nicht schon genug, steht unserer Berufsstand vor den beiden größten Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte: Digitalisierung und Gender Shift. Mit der Umsetzung des elektronischen Rechtsverkehrs und Einführung des besonderen elektronischen Anwaltpostfachs (beA) zum Januar 2016 wird die Digitalisierung unaufhaltsam auch in der letzten Anwaltskanzlei Deutschlands Einzug halten. Zugleich wird der seit Jahrhunderten männlich dominierte Anwaltsberuf schon in den nächsten Jahren überwiegend von Anwältinnen ausgeübt werden.

[6] siehe NJW 24/2014 vom 12.06.2014

[7] siehe Spiegel-online vom 06.12.2013

[8] anerkannte Weiterbildung i.S.d. Fachanwaltsordnung

[9] Siehe den Artikel “So wird Ihr Coaching zum Erfolg” im BLOG Jurcoach vom 04.11.2014