Qualitätssicherung im Coaching — JurBlog

Mein aktuelles Interview über #Qualitätsmanagement in der #Personalentwicklung mit #Coaching in ManagerSeminare 06/2018 S. 14 (mehr dazu in unsere Coachingausbildung: Jetzt anmelden! #Coach #Coaching #LegalCoaching) „Coaching hat sich längst als wertvolles Instrument in der Personalentwicklung etabliert. Die Qualität der berufsspezifischen Ausbildung der Coachs ist so hoch wie nie. Die Wirksamkeit von Coaching ist in zahlreichen wissenschaft- lichen […]

über Qualitätssicherung im Coaching — JurBlog

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Legal Coaching – ein Hybrid

„Oder: Was der Rechtsberatung Beine macht

Coaching ist in der Rechtsbranche angekommen. Für die strategische Karriereentwicklung, aber auch für die eigene, persönlich Weiterentwicklung, gegen Frustration im Job und als Prävention gegen Burn out. Für die Kanzleientwicklung bei der Umsetzung der Kanzleikultur, der Positionierung, in Strategiefragen, aber auch in der Moderation bei Partnerentscheidungen, Teamentwicklung und Konfliktlösung, Personalführung[1]sowie in den Personalentwicklungsprogrammen beim Aufbau der High Potentials, der Unterstützung junger Eltern oder auch weiblicher Führungskräfte[2]. So weit so gut. Das ist nicht anders als in anderen Branchen.

Nun aber entdeckt die Rechtsberatung Coaching als sinnvolle Ergänzung im Beraterbusiness. Coaching kann Beratung professionalisieren. Warum ist das so?

Coaching war immer schon Teil der Kommunikationswissenschaften und Psychologie; hat sich jedoch vor gut 150 Jahren dort heraus als eigenständige Methode in der Begleitung von Individuen und Teams entwickelt. Heute grenzt sich Coaching deutlich ab von Beratung, Training, Therapie, dem Mentoring aber auch der Lehre[3].

shutterstock_526980355Doch was ist Coaching überhaupt?

Als Modewort hat es längst Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch gehalten und kann neudeutsch den Fußballtrainer ebenso wie den Ernährungsberater, den Hundetrainer, die Führungskraft und den zum Mentoren ernannten Partner bezeichnen. Coaching und die Profession Coach sind in Deutschland nicht geschützt und nur in Teilbereichen reglementiert[4]. Dies ist in unseren Nachbarländern anders. Selbst innerhalb der EU sind viele nationale Gesetze zum Schutz der Profession verabschiedet worden, so dass es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, wann eine einheitliche europäische Regelung notwendig wird[5]– zumal Coaching auch heute schon überwiegend online und über Ländergrenzen hinweg durchgeführt wird[6]. Ein Trend, der sich stark fortsetzt und trotz DS-GVO nicht zu bremsen ist. Im Gegenteil: Als Präsidentin des deutschen Chapters des internationalen Berufsverbandes für Coaches (ICF) hat Dr. Tutschka, ACC gerade die Transformation bei den technischen Serviceprovidern und Herstellern von Kommunikationstechnik und online-Coachingtools miterlebt, die es mehrheitlich nahezu mühelos geschafft haben, nun gesetzeskonforme und datenschutzgeprüfte Arbeitstechnik zur Verfügung zu stellen

Dass es in Deutschland (noch) keine gesetzliche Regelung gibt, ist aber vor allem auch der Tatsache geschuldet bzw. der Verdienst der seit Jahrzehnten bestehenden über 15 Berufsverbänden für Coaches, für Trainer, für Mentoren, Supervisoren, Psychologe, Speakern und Beratern; mit unterschiedlichen Ausbildungs- und Zertifizierungssystemen. Der ICF ist dabei der einzige Berufsverband nur für ausgebildete Coaches[7](nicht für Trainer, Psychologen und Berater etc.[8]) und auch der einzige internationale Verband[9].

Der deutsche Markt ist durch diese Berufsverbände überreguliert. Diese Vielfalt war für Personalentwickler und Kunden schlicht überfordernd und unübersichtlich.

Vor fast 10 Jahren haben sich daher die größten Verbände zum sogenannten Round Table Coaching (RTC[10]) zusammengeschlossen[11], um Klarheit und Transparenz zu schaffen: das gemeinsame Papier zum Qualitätscoaching und die gemeinsame Ethikrichtlinie stellt nun sicher, dass alle 14.000 professionellen Coaches, die in diesen Verbänden organisiert sind, einheitlichen Qualitätsanforderungen an Ausbildung und geprüfter Nachhaltigkeit durch Zertifizierung unterfallen und sich einem einheitlichen Ethikverständnis hinsichtlich Menschenbild[12], Vertrauensaufbau und Verschwiegenheit verpflichtet sind, so Dr. Tutschka als Delegierte der ICF im Round Table Coaching.

Dem wird selbst durch Marktriesen wie Xing mit dem Portal Xing-Coaches Rechnung getragen, der nicht nur das Top Coach Siegel anhand dieser Kriterien 2018 neu aufgelegt hat[13], sondern zukünftig auch die Coach-Profile danach sortiert, ob der Coach durch die Qualitätskontrolle eines Berufsverbandes gegangen ist[14].

Coaching: Ein strukturierter und gelenkter Kommunikationsprozess, indem der Coach mit bestimmten Techniken, Tools, Methoden und Modelle (wie Spiegeln und Feedbackgeben, 360Grad Methode, Auswertung von Persönlichkeitstest) den Klienten darin unterstützt, schneller, effizienter und tiefgreifendere Klarheit über eine ihm wichtige Lebensfrage zu erhalten und in der Umsetzung begleitet. Eine gute Coachingausbildung ist dabei nicht auf eine einzige Methode oder ein einziges Tool beschränkt, sondern bietet eine (begrenzte) Auswahl zum Erlernen von wirksamen und geprüften Techniken (ca. 50 % der Ausbildung), ein strukturiertes Coaching- Prozessmanagement (weitere 25 %) sowie profundes Verständnis an Qualitätsstandards, Ethik und Regularien um den Coachingberuf nach einem etablierten Berufsverband (weitere 25 %).

Dabei ist ähnlich wie bei dem Erwerb eines Fachanwaltstitels zwischen der geprüften Ausbildung einerseits und dem Erwerb des Fachanwaltstitels, der Zertifizierung, andererseits (durch Praxisfälle und mehr) zu unterscheiden. Erst die Zertifizierung weist den erfahrenen und sich ständig weiterentwickelnden Praktiker aus.

Bislang hat die Rechtsbranche diese professionellen Kommunikationstechniken im Rahmen einer Mediationsausbildung eingekauft[15], allerdings zum Preis des Mandatsverlustes als Rechtsanwalt[16].

Doch wie sonst lernt die Rechtsbranche wirksame und nützliche Kommunikationstechniken? Wie lernt die Rechtsberatung laufen?

Dass professionelle Kommunikation etwas anderes als die Vermittlung von Fachwissen ist und dass sie als Jurist absolut notwendig ist, muss nicht mehr diskutiert werden. Die Branche wird vom hohen Konkurrenzdruck, der Digitalisierung und Marktverlust durch Legal Tech ordentlich durchgeschüttelt. Bestehen kann in so einem Markt nur, wer den Kopf nicht in den Sand steckt oder sich in Angstszenarien flüchtet, sondern sich auf seine Ursprungsqualität besinnt: den Faktor Mensch. Vertrauen, Empathie und Zuversicht unterscheiden für den Mandanten, ob er einen Anwalt wählt und welchen. Kompetenz und professionelle Kanzleiprozesse werden vorausgesetzt. Fachwissen kann heute überall und jederzeit kostenfrei abgerufen werden.

Eine Ausbildung im Legal Coaching versetzt den Juristen in die Lage, die notwenigen Kommunikationstechniken und das professionelle -management zu erlernen und punktgenau im Rahmen des jeweiligen Mandats anzuwenden[17], als Sequenz oder als kompletter Prozess, bei der Entwicklung von Strategie und Taktik oder der Umsetzung von Entscheidungen (Stichwort Changemanagement). Legal Coaching[18]läßt Anwälte Anwälte bleiben und Richter Richter. Legal Coaching sorgt für mehr Nähe zum Mandanten, mehr Verantwortung für das Mandat, mehr Nachhaltigkeit und damit für zufriedenere Mandanten[19].

Andere Beraterbranchen wie die Unternehmensberater haben das längst erkannt und für sich genutzt. Auch Anwälte beraten heute nicht mehr, sondern coachen ihren Mandanten. Die einen, weil es chick ist. Dies dürfte jedoch mit den selbsternannten Rechtsexperten in Stammtischrunden nach dem 3. Glas Bier gleichzusetzen sein. Andere, weil sie einen Wochenendkurs in Kommunikation belegt haben oder sowas ähnliches gelernt haben, Mediation zum Beispiel oder Wirtschaftspsychologie. Richtig ist, dass Kommunikationstechniken – wie sie in der Mediation u.a. vermittelt werden –  auch ca. 50 % einer Coachingausbildung ausmachen. Die andere Hälfte fehlt hingegen[20], insbesondere auch die Zertifizierung der praktischen Erfahrung. Diese Kollegen dürften auf einer Stufe stehen mit Absolventen des 1.Staatsexamens, die sich unmittelbar quasi-anwaltlich betätigen. Kann man so machen. Der Markt wird es bereinigen.

Coaching ist in der Rechtsberatung angekommen. Die Verbindung von juristischem Know How und Coachingkompetenz ist keine Additionsaufgabe. Beide Bereiche werden sich gegenseitig potenzieren[21].

Damit Ihre Rechtsberatung auch morgen noch läuft ohne Ihre Stimme zu verlieren.“

Der Artikel zum Legal Coaching erschien in der NJW 30/2018 vom 19.07.2018:

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ACHTUNG:

Die Anmeldung für die Ausbildung im Legal Coaching 2018/2019 läuft bereits!

Die Autorin: Dr. Geertje Tutschka, ACC (www.geertje-tutschka.com)

  • Managing Partner: CLP-Consulting for Legal Professionals
  • Rechtsanwältin in Deutschland/Europaanwältin Österreich
  • Ausgebildeter und Zertifizierter Coach und Trainer, Autorin
  • Präsidentin der ICF Deutschland/Delegierte im Round Table Coaching
  • Ausbilderin im Legal Coaching (www.consultingforlegals.com)

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[1]Tutschka im Interview in Unternehmensjurist, S. 68, 06/2017

[2]Tutschka, djbZ, S. 137, 03/2017.

[3]Tutschka, Wirtschaft und Weiterbildung, S.54, 08/2017

[4]Tutschka in CoachingMagazin vom 03.01.2018

[5]Schwertfeger in Wirtschaft und Weiterbildung vom , S.46 01/2018; mehr zur aktuellen Gesetzesinitiative auf dem diesjährigen Coachingtag

[6]Siehe die aktuelle Studie zum online-Coaching 2017 der Universität Salzburg, die jährlich erhobene Middendorf Studie zum deutschen Coachingmarkt sowie die Global Consumer Awareness Study 2017 und Millenial Study 2017 des ICF.

[7]Mit dem Coachingtag veranstaltet er jährlich einen der wichtigsten Kongresse der Branche.

[8]Obgleich viele Coaches auch als Berater, Trainer oder Vortragende tätig sind – je nachdem was der Kunde einkauft.

[9]Seit fast 30 Jahren professionalisiert sich diese Methode mit evaluierbaren Qualitätsstandards und Ethischen Richtlinien[9]. Die Internationale Coach Federation (ICF), der weltweit größte Berufsverband professioneller Coaches, hat als einer der ersten ein unabhängiges Akkreditierungssystem für Ausbildungsinstitute zur Qualitätssicherung eingeführt (der Verband betreibt keine eigenen Ausbildungsinstitute) sowie ein unabhängiges Zertifizierungssystem für ausgebildete Coaches zur regelmäßigen Qualitätskontrolle (die Zertifizierung ist von einer Verbandsmitgliedschaft unabhängig); http://www.coachfederation.org/www.coachfederation.de.

[10]www.roundtable-coaching.eu

[11]mehr dazu Tutschka in „Qualitätsmanagement im Einzelcoaching“

[12]z.B. Ausschluss von Esoterikern und Scientologen

[13]in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt und der Universität Salzburg

[14]so übrigens auch Newcomer und Start-ups wie Coachimo, BetterCoach und CoachFox.

[15]und nun mit dem Mediationsgesetz professionalisiert.

[16]Was ein wenig an Andersons kleine Meerjungfrau erinnert, die ihre magische Stimme für Beine eintauscht.

[17]Legal Coaching Ausbildungen bislang nur durch die CLP – Academy (www.consultingforlegals.com).

[18]Erste Erfahrungen mit Legal Coaching im Familienrecht wurden von kanadischen und US-amerikanischen Anwälten berichtet.

[19]Tutschka in „Kanzleigründung und Kanzleimanagement“

[20]kleine Gedankenstütze: 25% Prozessmanagement plus 25 % berufsspezifischer Ethik durch den Berufsverband

[21]wenn solide Qualität dahinter steht

Das Jurastudium des 21. Jahrhunderts: Jura demnächst MINT?

„Von Wirtschaftsmedien bis Twitter, von online-Blogs bis Davos, vom CCC bis zu fachlichen Veröffentlichungen in der NJW – niemand kommt heutzutage an Stichworten wie Digitalisierung, Industrie 4.0, Internet of Things oder #connectivity vorbei – dieser technologische Megatrend unserer Zeit wird immense Auswirkungen nicht nur auf das Engineering, sondern auf Staat, Wirtschaft, Gesell-schaft und Kultur insgesamt haben.

Juristen sind „Sozialingenieure“; wir regeln Regeln. Wenn damit wir Juristen quasi die Regelungsmembran für sich ändernde Anforderungen darstellen, wird sich – jedenfalls von dritter Seite – die folgende skeptische Frage stellen: „Wie wollt ihr Juristen allein aufgrund einer rechtswissenschaftlichen Ausbildung, namentlich ohne Zusatzqualifikationen als Informatiker, Physiker oder Mathematiker grundlegend genug verstehen, was ihr da eigentlich regeln wollt?“

beschreiben im eMagazin „The Legal Revolutionary“ warum  sich das Jurastudium zukünftig in die MINT Fächer bewegen wird. Lesen Sie den gesamten Beitrag hier.
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Agile Leadership

IMG_2089„Agile Leadership in einer digitalen Welt“ ist diesjähriges Thema des Coachingtages (http://www.coachingtag.com) und des aktuellen Heftes des Harvard Business Managers: um den Blick auf den Menschen bei aller Veränderung nicht zu verlieren!

Erleben Sie @Dr. Geertje Tutschka Juristin und CEO von CLP-Consulting for legal Professionals und Präsidentin der ICF -D zum Thema auf dem #CT2018

SAVE THE DATE: Coachingtag 16./17.11.2018 in München!

Ehrliche Rezension von Pia Löffler (Anwaltstexte) zu meinem neuen Buch „Kanzleigründung und Kanzleimanagement“ (DeGruyter) im Kanzleiforum des BeckVerlages

„Themen, die in der juristischen Ausbildung zu kurz kommen. Das Bewusstsein dafür, dass Wissen in diesen Bereichen notwendig ist, um ökonomisch und persönlich erfolgreich eine Kanzlei zu gründen bzw. zu betreiben, ist in den Köpfen vieler Anwälte / Anwältinnen wenig ausgeprägt. Wissen zu vermitteln, zu inspirieren und zu motivieren, dafür tritt das Buch von RAin Geertje Tutschka an. Und es tritt mit dem selbst formulierten Ziel an, Kanzleien vom Einzelkämpfer, über Spezialkanzleien, den Mittelstand und Großkanzleien zu diesen Themen „abzuholen“. 

Erfreulich ist, dass das Buch gut gesetzt ist und man beim Aufschlagen nicht optisch vom Umfang des Inhalts erschlagen wird. Das macht trotz 300 Seiten Lust zu lesen. Außerdem merkt die Autorin im Vorwort selbst an: Nicht jedes Kapitel ist für alle Pflichtlektüre. Man kann sich individuell relevante Inhalte herauspicken, man muss nicht zwingend 300 Seiten lesen, um etwas von den Buchinhalten zu haben. Denn die Kapitel bauen zwar aufeinander auf, sind aber auch für sich genommen verständlich und in nachvollziehbare Sinnabschnitte untergliedert. So hält das Buch kapitelweise tatsächlich für nahezu jede Kanzleigröße relevante Inhalte bereit…“

Der Beitrag ist vollständig im Kanzleiforum des Beck-Verlages nachzulesen.

KANZLEIGRÜNDUNG III – 3TEILIGE INTERVIEWREIHE MIT RA DR. TUTSCHKA

RAin Katharina Nitsch vom Verlag C.H. Beck interviewte die Kanzleiberaterin Dr. Tutschka von CLP – Consulting for Legal Professionals anlässlich Ihrer Buchpräsentation auf dem Deutschen Anwaltstag im Juni 2018 in Mannheim. Das Interview ist soeben  in 3 Teilen auf dem Blog des Beck-Verlages erschienen:

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Ist eine Kanzlei erst einmal gegründet, kommt es für einen nachhaltigen Erfolg auch auf ein zielgerichtetes Kanzleimanagement an. Welche Aspekte hier eine Rolle spielen, wollten wir von Anwaltscoach Dr. Geertje Tutschka, Autorin des Buches Kanzleigründung und Kanzleimanagement, wissen.

Der Begriff Kanzleimanagement hat sich erst in den letzten Jahren etabliert. Lohnt sich Kanzleimanagement eigentlich erst ab einer bestimmten Kanzleigröße?

Nein, natürlich wird es auch für kleine Kanzleien und Einzelanwälte vom ersten Tag an benötigt. Es wurde auch immer irgendwie nebenher betrieben. Dafür den Begriff Kanzleimanagement zu nutzen heißt, es bewußt auf die Agenda zu setzen und sich darum zu kümmern und es zu professionalisieren. Und das ist gut so.

Ist Kanzleimanagement gleichbedeutend mit Effizienzsteigerung und höherer Professionalität? Wie wichtig ist neben einer Qualitätskontrolle ein regelmäßiges Controlling?

Damit wird es oft gleichgesetzt. In erster Linie geht es jedoch um das Schaffen von Zuständigkeiten, das Etablieren von Strukturen, die Definition von Prozessen – zur Erreichung des Kanzleizieles. Effizienz, Professionalität, Qualitätskontrolle und Controlling sind gleichermaßen bedeutend. Tatsächlich geht es jedoch um mehr: um Kanzleientwicklung. Schließlich soll die Kanzlei nicht nur möglichst kostenschonend „gemanagt“ oder „verwaltet“ werden, sondern das Ziel muss Wachstum sein. Das kann Wachstum an Größe und Umsatz ebenso sein wie an Bedeutung oder Befriedigung bestimmter Bedürfnisse der Inhaber oder der Mitarbeiter.

Sie selbst sprachen bereits davon, dass das Rechtsberatungsgeschäft ein „people business“ ist und dies nicht nur im Rahmen des Mandantengeschäfts sondern auch um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Was verstehen Sie unter einem guten Führungsstil? Wie können Kanzleiinhaber für ein positives Arbeitsklima sorgen?

In der Tat sind die Mitarbeiter einer Kanzlei ihr stärkstes Potenzial. Das wird oft verkannt und die Führung und wertschätzende Kommunikation sind oft eine Baustelle in den Kanzleien, die uns zur Unterstützung hereinholen. Im Fußball versteht jeder, dass nur eine gut abgestimmte und geführte Mannschaft das Spiel gewinnen kann. Auf dem Spielfeld zeigt sich sofort, wo Defizite sind, Konflikte und Überlastung im entscheidenden Moment die Energie für den Sieg abziehen. Mit unseren Teamevents und -incentives haben wir Kanzleiretreats geschaffen, die jedes Team als Mannschaft zurückkehren lassen.

Unter einem guten Führungsstil verstehe ich einen sogenannten „coachenden“ Chef, der mit Selbstreflektion, persönlicher Reife, Weitblick und Empathie sich bewußt der entsprechenden Kommunikationstechniken bedient. Das muss man nicht können, das kann man lernen. In einer guten Coachingausbildung zum Beispiel.

Diese Arbeit im Inneren einer Kanzlei ist wichtig. Ebenso wichtig ist aber auch, dies nach außen zu tragen und sich mit Employer Branding auf dem stark umkämpften Markt der High Potenzials und Nachwuchsjuristen als interessanter Arbeitgeber zu positionieren.

Für wie wichtig erachten Sie das Thema „Gender Diversity“? Und wie kann Chancengleichheit in einer Kanzlei gezielt gelebt und gefördert werden?

Gender Diversity und Chancengleichheit sind wichtige und zukunftsentscheidende Themen, werden jedoch von den meisten Kanzleien verkannt. Diese Themen haben es in sich: Falsch oder gar nicht inkludiert, können sie Kanzleien teuer zu stehen kommen und fatale ja sogar bedrohliche Ausmaße annehmen. Es genügt nicht, sie lediglich irgendwo auf eine Webseite oder eine Agenda zu setzen. Sie müssen in die Kanzleiwerteeingearbeitet werden, die vom Partner bis zur Putzfrau gelebt werden. Als Changespezialist empfehle ich unbedingt die professionelle Begleitung eines solchen Kulturwandels.

Der Beruf des Anwalts und die Führung einer Kanzlei sind zeitintensiv und der Arbeitsalltag wird von Besprechungsterminen, Deadlines, Rotfristen und Gerichtsterminen bestimmt. Wie lässt sich hier ein befriedigendes Zeitmanagement etablieren?

Zeitdruck und Überlastung sind bereits Zeitmanagement, keine Naturkatastrophen. Sie entstehen nicht einfach, sondern wir erzeugen sie.

Wollen sie es anders, müssen sie (andere) Prioritäten setzen, und zwar solche, die ihrer Kanzleikultur, Ziel und Strategie entsprechen. Es gibt natürlich viele kleine Tricks und Methoden, um Prozesse effizienter zu gestalten, Prioritäten zu setzen. Einige Nützliche habe ich in meinem Buch vorgestellt, so wie auch die von mir entwickelte Erfolgsstrategie, in 5 Schritten einfach und pragmatisch jedes Ziel zu erreichen.

Was macht ein gutes Kanzleimarketing aus?

Gutes Kanzleimarketing basiert selbstverständlich auf einem ganzheitlichen, individuellen Marketingkonzept, welches auf der werteorientierten Kanzleistrategie aufsetzt.

Raten Sie Anwälten dazu alle Social Media-Kanäle für sich zu nutzen, also auch Twitter, Instagram oder Youtube?

Social Media ist eine ganz hervorragende Möglichkeit, sich mit seiner Expertise zu präsentieren; einfach, zielgerichtet, punktgenau und relativ preiswert Marketing und Akquise zu betreiben und letztlich Geschäft zu generieren.

Es als „digitale Offline-Welt“ zu betrachten, also einfach Artikel und Pressemeldungen für die Kanzlei zu posten, ist jedoch ebenso verfehlt wie Gerichtsentscheidungen, neue Mitarbeiter oder Mandate zu präsentieren.

Social Media ist das was es ist: ein soziales Netzwerk. Und Netzwerke funktionieren nur zwischen Individuen, die miteinander in Beziehung treten, indem sie miteinander kommunizieren.

Diese Frage ist daher ebenso wenig mit einem generellen JA wie mit einem NEIN zu beantworten.Selbstverständlich sind diese Netzwerke nur Tools, um Ihr anhand der wertebasierten Strategie erarbeitetes Marketingkonzept umzusetzen. Ob und welchen Kanal Sie nutzen, ist dabei Ihre Entscheidung.

Wichtig ist, dass die Kanzleiführung ebenso wie die einzelnen Anwälte dahinter stehen, Sie sich damit identifizieren, die Vielschichtigkeit der Netzwerke tatsächlich beherrschen und Spaß daran haben.

Ich habe beispielsweise 3.500 Kontakte auf LinkedIn und 1.500 auf Xing. Auf Twitter erzielen meine Tweets bis zu 2.500 Klicks pro Tag. Ich blogge im Jurcoach, einem der erfolgreichsten Blogs der Branche zu Kanzlei und Karriere mit mehr als 10.000 Lesern im Jahr. Ich bin ebenso mit ca. 15 Videos auf Youtube. Google hat eher eine untergeordnete Bedeutung, gehört jedoch dazu. Alle Kanäle sind aufeinander abgestimmt und greifen ineinander.

Auf Facebook, Instagram, Snapchat und Whatsapp bin ich nur privat und das sehr konsequent. Ich generiere heute ca. ein Drittel meiner Aufträge über meine professionellen Kanäle.

Doch der Aufbau dieser Kanäle kostet Zeit – tagtäglich in der Bedienung und langfristig im strategischen Aufbau einer gewissen Reputation und eines Netzwerkes. Ich schätze den Zeitaufwand auf ca. 30 min täglich (inklusive Auswertung des Targetings, der Reichweite und Klicks). Nach dem Pareto-Prinzip (80:20) sind diese Profile erst ab einer substantiellen Kontaktanzahl (die zielgenau und organisch gewachsen ist) wirksam, will sagen ein Baustein im Geschäftsmodell. Dies geht beispielsweise bei Xing erst bei ca. 500 einschlägigen Kontakten los, bei LinkedIn eher bei mindestens 800.

Zwar sind hier grundsätzlich Junganwälte meist viel offener und sicherer im Umgang mit Social Media. Die Krux bei Ihnen ist jedoch, dass diese meist schon private Profile oder solche aus ihrer Studien- und Referendarszeit mitbringen. Diese sind dann entweder ein Sammelbecken aus alten Schulkameraden, Bekannten der Eltern, der netten Partymaus von gestern Abend und „interessanten Kontakten“ oder bilden den am Anfang manchmal etwas experimentierfreudigen Karriereweg ab.

Diese Profile später zu „drehen“ ist mindestens ebenso aufwendig, wie komplett neue Profile anzulegen. Ich rate jedoch dennoch jedem Student und Junganwalt zu Profilen, schon allein um hier sehr viel über die Struktur und Mechanismen von Social Media, aber auch den Legal Markt und die Branche zu lernen.

Wichtig ist auch zu wissen, dass HR heute selbstverständlich die Profile in einem Bewerbungsprozess checkt. Kein Profil zu haben outet Sie als digitalen Neandertaler. Ein „undefiniertes“ Profil kann schlimmstenfalls sogar schädlich sein. Zurückhaltendes Beobachten sollte also vorerst die Devise sein.

Und letztlich müssen die Kanäle zur Zielrichtung und Zielgruppe passen. Instagram dürfte beispielsweise mit der Bildersprache grundsätzlich für Anwälte weniger passend sein.

Social Media muss also:

  • Werten, Kultur und Strategie entsprechen
  • vom Kanzleiinhaber /der Partnergesellschaft getragen werden
  • von jedem Anwalt für sich persönlich, jedoch nach dem Marketingkonzept bespielt werden

Zu welchem Marketing-Mix raten Sie kleinen und mittelständischen Kanzleien? 

Das Marketingkonzept sollte ganzheitlich also Online und Offline aufgestellt sein. Beides muss ineinander greifen und zielgerichtet und strategisch bespielt werden.

Wie sollten Anwälte und Kanzleiinhaber aufgestellt sein, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein?

Sie sollten sich auf ihre Stärken und Kompetenzen besinnen. Und damit meine ich nicht nur ihre Fachexpertise. Anwälte müssen nach aller Optimierung und Effizienz sich endlich wieder als vertrauensvoller Partner positionieren. Leider lähmt dank Legal Tech Hype und Konkurrenzdruck gerade eine diffuse Existenzangst die Branche. Mit unserer Legal Coaching-Ausbildung zeigen wir bei Consulting for Legal Professionals (CLP) mit der CLP-Academy eine echte Alternative für die Menschen in den Kanzleien auf.

Frau Dr. Tutschka, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Rechtsanwältin Dr. Geertje Tutschka ist Inhaberin und CEO von CLP – Consulting for Legal Professionals und Präsidentin des ICF Deutschland.

 

Hier finden Sie alles zum Buch, die aktuelle Ausgliederung des eBooks zur Kanzleigründung für Junganwälte durch Dr. Tutschka (erschienen im FFi-Verlag), die Mitautoren sowie Fotos, Interviews und Videos zum Thema:

www.consultingforlegals.com

https://www.consultingforlegals.com/aktuelles/buecher/

Das vollständige Interview in allen drei Teilen finden Sie beim Beck-Verlag unter:

http://kanzleiforum.beck-shop.de/2018/06/28/das-richtige-gruendungskonzept-interview-mit-kanzleiberaterin-dr-geertje-tutschka/

ACHTUNG: JETZT ZUR LEGAL COACHING AUSBILDUNG 2018/2019 ANMELDEN!

KANZLEIGRÜNDUNG II – 3TEILIGE INTERVIEWREIHE MIT RA DR. TUTSCHKA

RAin Katharina Nitsch vom Verlag C.H. Beck interviewte die Kanzleiberaterin Dr. Tutschka von CLP – Consulting for Legal Professionals anlässlich Ihrer Buchpräsentation auf dem Deutschen Anwaltstag im Juni 2018 in Mannheim. Das Interview ist soeben  in 3 Teilen auf dem Blog des Beck-Verlages erschienen:

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Ist eine Kanzleivision zufriedenstellend formuliert, geht es in einem zweiten Schritt darum, die Planungsarbeiten sorgfältig umzusetzen. Hier ist es zu Beginn wichtig, ein Gründungskonzept nebst Businesskonzept zu erstellen. Welche Elemente diese unbedingt enthalten sollten, weiß Dr. Geertje Tutschka, Autorin des Buches Kanzleigründung und Kanzleimanagement.

Frau Dr. Tutschka, was ist Ihrer Erfahrung nach unverzichtbarer Bestandteil eines Businessplans?

Gründungskonzept und Businessplan werden oft synonym verwendet, obgleich der Businessplan ursprünglich lediglich ein Bestandteil des Gründungskonzeptes war. In den meisten Fällen werden sie für ein finanzierendes Unternehmen/einen Investor, zumeist die Bank, erstellt, die es für die Vergabe von Gründungs- und Investitionsdarlehens einfordert; manchmal auch für das Arbeitsamt, welches mit dem Zuschuss für Gründer eine Kanzleigründung fördert. Alternative Finanzierungsformen wie Crowdfunding oder Fremdfinanzierung sind für Kanzleien nach wie vor leider noch nicht zulässig – wird zukünftig jedoch sicherlich möglich sein.

Wie ein Businessplan zu erstellen ist und welche Elemente er beinhalten sollte, ist heute online jederzeit und überall kostenfrei abrufbar (z.B. über die IHK – leider noch nicht über die RAK, wohl aber zumindest in Ansätzen über das Forum Junge Anwaltschaft im Berufsverband DAV).

Sie sollten immer über eine Finanzierungsmöglichkeit nachdenken, auch wenn kein akuter Bedarf besteht. Eine der wichtigsten Ressourcen wird das Investitionsvolumen sein, welches wie Spiritus bei der Entfachung eines Feuers unterstützen kann – im guten wie im schlechten Sinn. Auch für Frage der Finanzierung und Fördermittel gibt es mittlerweile sehr gute Dienstleister, was vor allem für Freiberufler wie Anwälte wichtig ist, da viele Fördermaßnahmen hier nicht oder nur unter ganz speziellen Voraussetzungen (wie z.B. standort- oder personalabhängig) zur Verfügung stehen.

Im Falle einer Finanzierung ist meine Empfehlung die Folgende:

Erarbeiten Sie zu allererst Ihre Kanzleivision, um nicht die „Kanzlei von der Stange“ zu gründen. Die Finanzierung wird den im Konzept vorgegebenen Kurs einfordern. Einen „anonymen“ Businessplan für die Finanzierung vorzulegen, um sich dann erst die Kanzleivision zu erarbeiten bzw. eine davon unabhängige Kanzleivision zu verfolgen, wird also nicht funktionieren. Bitte beachten Sie, dass Sie bereits für das Gründungskonzept nebst Kanzleivision – aufgrund deren Maßgeblichkeit für den Erfolg – Fördermittel erhalten könnten!

Ihre individuelle Kanzleivision ist also das Element, welches unbedingt enthalten sein sollte.

Ist der klassische Businessplan noch heute erste Wahl bei der Erarbeitung eines Gründungskonzeptes?

Ihr Businessplan sollte ebenso wenig wie Ihr Gründungskonzept nach erfolgreicher Finanzierung in der Schublade verschwinden. Er sollte Ihre Arbeitsgrundlage als Kanzleiinhaber sein, ständig überarbeitet, aktualisiert und angepasst werden. Immerhin erhalten Sie jeden Tag neue Informationen, was Ihre Klienten möchten und wie sie es möchten. Danach sollte Ihr Konzept ausgerichtet werden. Sie sind Dienstleister.

Es gibt mittlerweile moderne Varianten des klassischen Businessplanes – wie beispielsweise Business Model Canvas – die aus dem kreativen Bereich (oft aus der IT) kommen, wie Design Thinking, agile Teams etc. Einen klassischen Businessplan können sie nicht ersetzen; wohl aber ideal ergänzen. Ihre Kompetenz liegt in der Kreativität, die neue Geschäftsideen und Produkte entstehen lässt, die einem klassischen Businessplan oft abgeht. Die aber auch vielen Anwälte nach der reinen Fachausbildung als Junganwälte oder aber gestandenen Anwälten nach Jahren im Geschäft oft nicht mehr ohne weiteres zur Verfügung steht.

In unseren Trainings erfahren wir immer wieder, wie wertvoll für die Kollegen hier stimulierende Anreize sind, die vorhandene Kreativität wieder zu entfachen, um wirklich innovative Geschäftsmodelle aber auch solche, die eben auch die individuelle Lebenssituation der Beteiligten ausreichend berücksichtigt, zu entwickeln.

Frau Dr. Tutschka, welche Modelle für eine Kanzleigründung kommen überhaupt in Betracht? Welche Rechtsform bietet sich ihrer Meinung nach am ehesten an?

Eine einheitliche Antwort auf diese Frage gibt es leider nicht. Die aktuelle Statistik, die ich in meinem Buch sehr umfangreich bespreche, zeigt zwar, dass für bestimmte Geschäftsmodelle bestimmte Rechtsformen eher geeignet sind als andere. Grundsätzlich muss jedoch gesagt werden, dass jede Kanzlei auch als „Einzelanwalt“ oder Gesellschaft bürgerlichen Rechts sehr gut funktionieren kann. Die Strukturen und Prozesse sowie Personal, Standort und Geschäftsmodell  sind sehr viel entscheidender für den Erfolg als die Rechtsform. Diese kann übrigens jederzeit auch geändert und angepasst werden und ist keinesfalls in Stein gemeißelt.

Steht der Businessplan, wie sollten die ersten konkreten Schritte zur Kanzleigründung aussehen?

Das A und O sind die Einhaltung der Formalien, wie also beispielsweise die Zulassung, Anmeldung der Kanzlei bei Kammer und Finanz, Personalanmeldung, Sozialversicherung etc. Dies als „schmückendes Beiwerk“ abzutun und auf später zu verschieben ist ein Kardinalfehler, der bereits vielen Junganwälten bei der Erstgründung die Kanzlei geschlossen hat bevor es richtig losging.

Welche Grundausstattung ist Ihrer Erfahrung nach unerlässlich?

Selbstverständlich kann heute jeder, der die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt (wie beispielsweise der erfolgreiche Abschluss des Studiums und des Zweiten Staatsexamens) nur mit einem elektronischen Gerät eine Kanzlei eröffnen. Der fortschreitenden Digitalisierung sei Dank ist heute die Basis-Infrastruktur einer Kanzlei schon allein mit einem Smartphone abbildbar. Und zwar grundsätzlich überall auf der Welt. Viele meiner Klienten haben dann sofort diese Fantasie von einem Liegestuhl am Strand von Hawaii mit Laptop und Handy. Und ja – genau diesen Vorteil nutzen Anwälte heute leider viel zu wenig.

Wenn Sie mich also nach der Grundausstattung fragen, sind zwei Punkte ganz entscheidend für Ihren Erfolg:

  • In erster Linie ein professioneller IT-Partner. Dank der Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten kommt es hier vor allem darauf an, dass die Ausstattung Ihrem Kanzleiportfolio und Ihrer Positionierung entspricht sowie zuverlässig funktioniert.
  • Der zweite – oft unterschätzte Aspekt – ist aber Ihr Kanzleiteam. Die Menschen, die in Ihrer Kanzlei arbeiten, werden maßgeblich über den Erfolg Ihrer Kanzleivision und Ihres Gründungskonzeptes entscheiden. Und Sie allein entscheiden, wer das ist.

Ist Wachstum wesentlich, um eine Kanzlei erfolgreich im Markt zu platzieren?

Ja, absolut. Wachstum ist der Gradmesser für Erfolg. Sie bauen heute nicht mehr an der „Kanzlei der Ewigkeit“. Kanzleiübertragungen sind ohnehin weitgehend obsolet.

Welche Fragen sollte sich ein Gründer stellen, um seine Kanzlei optimal zu positionieren?

Tatsächlich geht es um die Frage, welches Problem der Klienten Ihre Kanzlei hier und jetzt optimal und besser als der Kollege lösen kann. Es geht um den USP, den sog. Unique Selling Point. Den können nur Sie anhand Ihrer Kanzleivision erarbeiten.

Haben Sie den jedoch herausgearbeitet, läuft Ihre Akquise fast von selbst. Selbstverständlich empfehle ich auch hier ein professionelles Kommunikations- und Marketingkonzept und die unbedingte Hinzuziehung von Profis, also Agenturen, die sich auf Online-Marketing und Offline-Marketing spezialisiert haben.

Wichtig ist jedoch an dieser Stelle, dass nur die wenigsten Kanzleien groß genug sind, um die erforderliche Marktpräsenz zu haben, sich ein entpersonifiziertes Marketing leisten zu können. Freshfields beispielsweise steht sicherlich mit seinem Namen fest im Markt. Das gilt jedoch nicht für Klein- und mittelständische Kanzleien. Diese verkaufen ihre Anwaltspersönlichkeiten, ihre Experten, ihr Charisma und Netzwerk.

Kanzleipositionierung ist für die meisten Kanzleien – und wenig überraschend auch zunehmend für Großkanzleien wie Freshfields – ein „Personal Branding“ Thema. Das bedeutet, dass Sie Ihre Anwälte promoten müssen: als Personen, als Menschen, als Experten. Das Rechtsberatungsgeschäft ist ein „peoples business“, ein Geschäft zwischen Menschen, die sich vertrauen. Das war zwar noch nie so einfach wie heute dank Social Media. Dies haben aber die wenigsten Kanzleien bislang begriffen. Die Bedeutung von Social Media für die Markenbildung und wie dies funktioniert ist eines der größten Beratungsfelder für uns heute.

Und dies gilt im Übrigen nicht nur für die Kanzleipositionierung in Bezug auf das Mandatsgeschäft. Dies gilt ebenso für die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber im Wettkampf um die High Potenzials und vielversprechenden Nachwuchsjuristen.

Frau Dr. Tutschka, wir danken für das Gespräch.

Rechtsanwältin Dr. Geertje Tutschka ist Inhaberin und CEO von CLP – Consulting for Legal Professionals und Präsidentin des ICF Deutschland.

hardcoverstackHier finden Sie alles zum Buch, die aktuelle Ausgliederung des eBooks zur Kanzleigründung für Junganwälte durch Dr. Tutschka (erschienen im FFi-Verlag), die Mitautoren sowie Fotos, Interviews und Videos zum Thema:

www.consultingforlegals.com

https://www.consultingforlegals.com/aktuelles/buecher/

Das vollständige Interview in allen drei Teilen finden Sie beim Beck-Verlag unter:

http://kanzleiforum.beck-shop.de/2018/06/28/das-richtige-gruendungskonzept-interview-mit-kanzleiberaterin-dr-geertje-tutschka/

ACHTUNG: JETZT ZUR LEGAL COACHING AUSBILDUNG 2018/2019 ANMELDEN!

 

Kanzleigründung I – 3teilige Interviewreihe mit RA Dr. Tutschka

RAin Katharina Nitsch vom Verlag C.H. Beck interviewte die Kanzleiberaterin Dr. Tutschka von CLP – Consulting for Legal Professionals anlässlich Ihrer Buchpräsentation auf dem Deutschen Anwaltstag im Juni 2018 in Mannheim. Das Interview ist soeben  in 3 Teilen auf dem Blog des Beck-Verlages erschienen:

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165.000 Anwälte sind aktuell in Deutschland zugelassen. Die Zahl der Anwaltszulassungen hat sich damit seit 1990 verdreifacht. Kamen 1950 noch circa fünftausend Einwohner auf einen Anwalt, sind es heute nur noch circa fünfhundert. Angesichts dieser Zahlen drängt sich die Frage auf, ob sich eine Kanzleigründung heute überhaupt noch lohnt.

Dr. Geertje Tutschka, Anwältin und Autorin des Buches Kanzleigründung und Kanzleimanagement hat sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt und beantwortet sie nach wie vor mit einem beherzten „Ja“. Welche Gründe sie zu dieser Einschätzung bewogen haben, wollten wir von ihr selbst wissen und haben sie beim Deutschen Anwaltstag getroffen.

Frau Dr. Tutschka, trotz der vielen Herausforderungen, denen sich die Branche aktuell stellen muss, raten Sie dennoch dazu Jura zu studieren und in eigener Kanzlei tätig zu werden. Wie kommen Sie zu dieser positiven Einschätzung?

Ich bin Vollblut-Anwältin. Habe Jura jedoch nur studiert, um in eigener Kanzlei tätig sein. Unternehmertum steckte mir sozusagen im Blut. Müsste ich mich entscheiden, Kanzleiinhaberin zu sein oder Anwältin, würde ich Ersteres wählen.

In der heutigen Zeit herrscht eine Art Goldgräberstimmung im Bereich Unternehmertum und es wird viel über Entrepreneurship, Start-ups und neue Geschäftsmodelle geschrieben. Das sollte auch vor der Rechtbranche nicht Halt machen.

Das klassische Produkt der Rechtsberatung gibt es seit über hundert Jahren. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Rechtsberatung neu definieren muss. Rechtsberatung sollte daher neu gedacht und mit innovativen Geschäftsmodellen versehen werden.

Wir neigen heute jedoch dazu, Hypes eher um knallige Produkte, die sich gut in Szene setzen lassen, zu inszenieren. Rechtsberatung zählt da eher nicht dazu. Sie hat mit dem Faktor Mensch, Vertrauen und Nachhaltigkeit zu tun und kann daher nur zum Teil standardisiert, automatisiert und digitalisiert werden. Und das ist auch notwendig, um weiter am Markt bestehen zu können. Wenn der Anwaltschaft dann aber als USP vor allem der Faktor Mensch bleibt, geht es ans Eingemachte. Dann wird’s persönlich. Die reine Fachausbildung kann Jungjuristen weder charakterlich noch persönlich darauf vorbereiten. Mit CLP unterstützen wir daher seit Jahren Personalentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung – mit sehr gutem Erfolg.

Wenn solide Fachausbildung und Personal Development also zusammentreffen, dann wird Rechtsberatung neu gedacht. Ob in einer bestehenden Kanzlei oder in eigener Kanzlei.

Welche Kompetenzen sollte Ihrer Erfahrung nach ein Anwalt mitbringen, der eine eigene Kanzlei gründen möchte?

Er sollte in erster Linie Spaß an Unternehmensführung haben und sich unter Umständen auch von seinem Anwaltsberuf verabschieden können.

Welche Themen beschäftigen Ihre Kolleginnen und Kollegen derzeit am meisten?

Die Branche wird gerade von drei ganz wesentlichen Faktoren neu definiert:

– dem Gender- und Generationshift

– dem Konkurrenzdruck

– der Digitalisierung.

Und diese finden von innen und außen gleichermaßen statt, d.h. dass  einerseits immer mehr Frauen Jura studieren und auch in den Anwaltsmarkt strömen; dort gleiches Geld für gleiche Arbeite, Mitbestimmungsrechte in den Berufsverbänden und Partnerschaften einfordern. Andererseits aber beispielsweise Unternehmen heute diverse Kanzleiteams bei der Beauftragung ganz klar bevorzugen. Das bedeutet, dass Konkurrenz einerseits natürlich von der immer noch steigenden Quantität in der Anwaltschaft entsteht, andererseits aber andere Branchen Geschäftsmodelle in den Legal Markt einführen und dort schlicht Geschäft wegnehmen, wie beispielsweise die Versicherungsbranche. Auch die Digitalisierung „wildert“ mit Legal Tech Start -ups ordentlich im Tagesgeschäft und „Kleinvieh macht auch Mist“ Erwerbsgeschäft der Anwälte. Gleichzeitig kämpfen diese intern immer noch mit der Einführung des und den Schnittstellen zu ihrem Sorgenkind beA und ihren Prozeßdefinitionen für das Projekt digitale Akte und papierloses Büro.

Panikmache mit Buzz-Wörtern durch Medien und Dienstleister soll Geschäftsabschlüsse steigern und heizt das Ganze weiter an.

Anwälte fühlen sich angesichts dieser Komplexität zunehmend überfordert und ohnmächtig. Viele haben sich schon verabschiedet, machen „Dienst nach Vorschrift“ oder verweigern sich jeglicher Modernisierung. Angst greift um. Das muss man Ernst nehmen.

Gibt es bestimmte Regeln, die man als Kanzleigründer unbedingt beherzigen sollte?

Kanzleigründer sollten nichts überstürzen, sondern ausreichend Zeit einplanen. Viele Dinge bei der Kanzleigründung sind keine reinen Fleißaufgaben, sondern haben sehr viel mit der Persönlichkeit und den Lebensumständen des Kanzleiinhabers zu tun. Und eine Kanzlei zu gründen bedeutet, dass sich sehr viele Dinge ändern, entwickeln werden. Man wird nie wieder derselbe sein. Und das ist auch gut so. Doch Veränderung braucht eben Zeit. Dinge müssen reifen, Entscheidungen müssen gelebt werden.

In Ihrem Buch bezeichnen Sie die „Kanzleivision als Herzstück der Kanzleigründung“. Welche Gründe führen Sie dazu an?

Die Entwicklung einer tragfähigen Kanzleivision ist die Königsdisziplin bei der Kanzleigründung. Sie wird Anker, Hafen und Leuchtturm zugleich sein. Für die langfristige Entwicklung der Kanzlei ebenso wie für das Tagesgeschäft, bei der internen Personalführung wie bei der Akquise. Viele Kanzleien lassen sich hingegen treiben oder schwimmen mit der Strömung: und finden sich in einem konstant drehenden Hamsterrad wieder, welches ihnen die Lebensenergie absaugt. Sie fahren auf Autopilot. Hier gilt es, mit der Kanzleivision gegenzusteuern und endlich „auf Kurs“ zu gehen.

Gibt es Hilfsmittel, mit denen sich eine Vision für eine erfolgreiche Kanzleigründung entwickeln lassen?

Es gibt diverse Tools, die Unternehmensberatungen schon seit Jahren verwenden, mittlerweile sogar als Apps oder online verfügbar. Selbstverständlich auch diverse Fachbücher, ja sogar hochpreisige post-graduate Studiengänge. Unsere Erfahrung bei CLP ist jedoch, dass branchenunabhängige Unternehmensberater die besonderen Parameter der Branche (gesetzliche Vorgaben, Marktbesonderheiten, Herausforderungen) nicht berücksichtigen können, so dass hier wenig Brauchbares erarbeitet wird. Reine Wissensvermittlung wiederum lässt die Kanzleiinhaber in der Umsetzung allein. Im Tagesgeschäft wird dieser jedoch niemals gegen die bestehenden Strukturen ankommen. Meine Empfehlung geht also ganz klar dahin, sich einen professionellen Begleiter Ihres Vertrauens an Board zu holen, wenn Sie es mit der Kanzleigründung Ernst meinen.

Wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoll bereits im Studium, spätestens im Referendariat Management für Anwälte zu lehren?

Selbstverständlich wäre dies wünschenswert, auch wenn Management ganz sicher nur ein Aspekt von mehreren bei der Unternehmensführung ist. Meine Erfahrung ist jedoch, dass viele Juristen während der Ausbildung noch auf der Suche danach sind, in welchen juristischen Beruf sie später tätig sein möchten. Und das Gründen einer eigenen Kanzlei gilt da bei den meisten lediglich als „Rettungsanker“. Zu Recht: Als Junganwalt sofort in eigener Kanzlei zu starten ist wenig empfehlenswert – weder durch Gründen eines kleinen Start-ups, noch durch den Kauf einer Kanzlei oder Einsteigen in eine bestehende Kanzlei. In meinem Buch untersuche ich ausführlich die Gründe und Erfolgsraten dieser Soforteinsteiger anhand der aktuellen Statistiken und unserer Erfahrung sowie der unserer Kooperationspartner als Kanzleiberater. Auch wenn ich ganz sicher dafür eintrete, lieber zu früh als zu spät sich in der Praxis auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln, plädiere ich mit Weitsicht und Erfahrung für mindestens 5 Jahre Berufserfahrung bevor man sich als Kanzleiinhaber ausprobiert – dies vor allem auch, um die „Rush Hour des Lebens“ für die Mittdreißiger zu entzerren. Damit deren berufliche Karriere nicht nur ein kurzer Sprint sondern ein erfolgreicher Marathon wird.

Besten Dank für das Gespräch!

Rechtsanwältin Dr. Geertje Tutschka ist Inhaberin und CEO von CLP – Consulting for Legal Professionals und Präsidentin des ICF Deutschland.

Diesen 1. Teil der dreiteiligen Interview-Reihe finden Sie hier.

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