Beamtenkarriere als Jurist: cool vs. träge

Interview mit Herrn Christoph Skrdlant, stellv. Amtsleiter und Abteilungsleiter im Direktorium der Landeshauptstadt München:

„Meine Tätigkeit als Jurist im Direktorium – Sichere Beamtenkarriere bei der Stadt mit Jura? Es war definitiv die richtige Entscheidung!“

 

Das Direktorium der Landeshauptstadt München untersteht direkt dem Oberbürgermeister und hat verschiedene inhaltliche Arbeitsschwerpunkte. Es bietet Serviceleistungen sowohl für die Dienststellen der Stadtverwaltung und den Stadtrat als auch für Bürgerinnen und Bürger. Darüber hinaus übt es die zentrale Steuerungsunterstützung für Stadtrat, Stadtspitze sowie Bezirksausschüsse aus…

Ziel von Juristen sind ja Höchstgehälter – Hat Sie der Stundenlohn bei der Stadt zunächst abgeschreckt?

Nein, überhaupt nicht. Zwar ist es natürlich richtig, dass man beispielsweise als Rechtsanwalt in Großkanzleien oder in Unternehmen mehr verdienen kann als im öffentlichen Dienst. Aber die Bezahlung eines verbeamteten Juristen bei der Landeshauptstadt München ist alles andere als schlecht. Außerdem bietet der öffentliche Dienst mit flexibler Arbeitszeit, einer 40-Stunden-Woche, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, einer hervorragenden Altersversorgung usw. viele Vorteile, die die freie Wirtschaft meist nicht bieten kann.

Ein Leben neben der Arbeit und eine gesunde Work-Life-Balance waren mir persönlich immer wesentlich wichtiger als nach Spitzengehältern zu streben. Aber nochmal: Als verbeamteter Jurist kann man mit seiner Besoldung sehr gut leben.

Wie und mit welchen Aufgaben sind Sie bei der Landeshauptstadt München eingestiegen?

Ich begann meine Tätigkeit im Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Unser Team war für die Entwicklung und Planung eines neuen Münchner Stadtteils für über 20.000 Menschen zuständig. Mein Job dort hatte viel mit Projektmanagement, Koordination und Öffentlichkeitsarbeit zu tun. Da die angespannte Wohnungssituation in und um München eine der drängendsten aktuellen Probleme der Landeshauptstadt darstellt, war diese Arbeit äußerst spannend, vielseitig und abwechslungsreich, da ich mit meiner Tätigkeit in gewissem Maße selbst an der Verbesserung des Münchner Wohnungsmarkts mithelfen konnte.

Sie sind sehr rasant aufgestiegen – wie kam es dazu und gibt es Vorteile, wenn man einmal innerhalb einer solchen Einheit ist?

Als ich mich während meines Jobs im Referat für Stadtplanung und Bauordnung mehr und mehr für das Vergaberecht interessierte, bewarb ich mich um die damals vakante Stelle in der Stabsstelle Recht unseres Vergabeamtes. Auf dieser Position war ich als Hausjurist tätig und bearbeitete vergabe- bzw. zivilrechtliche Anfragen unserer Fachabteilungen. Als einer der Abteilungsleiter, der auch gleichzeitig die Position des stellvertretenden Amtsleiters innehatte, unser Haus verließ, wurde mir bereits nach drei Monaten dessen Stelle angeboten. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Der große Vorteil bei der Landeshauptstadt München ist, dass man sich aber auch über ein internes Bewerbungssystem immer wieder auf freie Stellen in unterschiedlichen Referaten bewerben kann, wenn man einen beruflichen Wechsel wünscht. Man kann sich stetig weiterentwickeln und verändern, ohne den eigentlichen Arbeitgeber wechseln zu müssen.

Hat es Sie am Anfang überfordert nun plötzlich Führungsaufgaben, insbesondere innerhalb einer behördlichen Struktur, zu übernehmen?

Mein Ziel war es von Anfang an einmal Führungsverantwortung zu übernehmen. Als mir die Stelle angeboten wurde, musste ich nicht lange überlegen und sagte sofort zu. Natürlich sind Führungsaufgaben nicht mit juristischer Sachbearbeitung zu vergleichen, da Personalführung meines Erachtens immer eine weitaus größere Verantwortung mit sich bringt. Immerhin ist man für die berufliche Weiterentwicklung seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich. Aber mit jedem Tag wächst man in diese Aufgabe weiter hinein. Durch unterschiedliche Fortbildungsangebote zum Thema Führung lässt die Landeshauptstadt München ihre Nachwuchsführungskräfte auch nicht allein. Insofern fühlte ich mich zu keinem Zeitpunkt überfordert, wenngleich die Umstellung vom Sachbearbeiter zur Führungskraft natürlich anstrengend war.

Jeder Tag bringt neue Herausforderungen, aber auch mehr Erfahrung und Routine.

Würden Sie abschließend, auch mit Blick auf Ihren rasanten Karriereweg, sagen, dass man mittlerweile als Beamter nicht mehr auf einer Position 25 Jahre lang versauern muss?

Auf jeden Fall! Die Stadt bietet mit über 200 verschiedenen Juristenstellen in 12 unterschiedlichen Fachreferaten und dem Direktorium ein extrem breitgefächertes Aufgabenspektrum.

Welchen Tipp haben Sie für Jungjuristen, die sich auch für Berufsmöglichkeiten bei der Stadt interessieren?

Den besten Einblick in die Arbeitsweise der Verwaltung bekommt man, wenn man im Rahmen des Studiums ein Praktikum oder während des Referendariats die Verwaltungs- oder Wahlstation bei der Stadt absolviert.

Der Beitrag ist im Original vollständig bei unserem Partner TalentRocket am 21.11.2018 erschienen.

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