Frauenquote für Anwaltskanzleien?

Unternehmen setzen in schwierigen Verhandlungssituationen je nach Situation ganz bewusst entweder einen Anwalt oder eine Anwältin ein. Mandanten wollen sich in ihrer Scheidung nur von einem Mann oder aber nur von einer Frau vertreten lassen. Alles Kopfsache?

Männer und Frauen in der Juristerei

Der Anwaltsberuf fordert wie kaum ein anderer typisch männliche ebenso wie typisch weibliche Kommunikationsmuster geradezu ein. Auffällig ist jedoch, dass Anwältinnen bislang weder bei den Topverdienern noch in Führungspositionen noch bei den Sozietäten und Partnerschaften nachgezogen haben. In den juristischen Berufen ist der Abstand zu den Einkommen der Männer sogar am Größten. Sollte es also zukünftig auch für Anwaltskanzleien eine Frauenquote geben?

Dass Frauen und Männer unterschiedlich kommunizieren ist längst bekannt. Und dass auch Juristen Menschen, vor allem aber Männer und Frauen sind, auch. Kommt es also weit weniger auf berufliche Qualifikation und Erfahrung an, als wir dachten? Entscheidet über unseren Erfolg am Ende allein die Tatsache, ob wir Jurist oder Juristin sind?

Um es gleich vorwegzunehmen: Es geht nicht ums „Gendern“. Es geht nicht darum, was auf der Packung draufsteht, sondern um den Inhalt: Wie viel Einfluss hat es auf den Erfolg eines Rechtsstreites, ob der Mandant einen Anwalt oder eine Anwältin mit seiner Interessenvertretung beauftragt? Macht es einen Unterschied, ob ein Richter oder eine Richterin über einen Streitfall entscheidet? Und wie neutral sind eigentlich unsere Gesetze?

Unser Rechtssystem ist die Kommunikation von Wertvorstellungen und Kommunikation ist der Austausch und die Verarbeitung von Informationen. Und dabei gibt es zwischen Männern und Frauen gravierende Unterschiede.

Typisch Mann, typisch Frau?

Fakt ist, dass Frauen und Männer aufgrund ihrer biologisch-physiologischen Veranlagung Informationen typischer Weise in unterschiedlicher Quantität und Qualität aufnehmen und verarbeiten. Dies ist uns wegen der jahrtausendealten Prägung auf typische Geschlechterrollen in Fleisch und Blut übergegangen. Frauen haben eher einen Rundumblick, sind auf das Wohl der Allgemeinheit bedacht, und richten ihren Lösungsansatz auf Verhandlung und Einigung aus. Männer hingegen agieren im Ernstfall eher mit einem Tunnelblick. Sie sind dadurch zwar (scheinbar) schneller, entscheiden tatsächlich aber nur zweidimensional zwischen Angriff oder Wegrennen. Beides schränkt unsere Handlungsalternativen stark ein, zumindest wenn wir typisch männlich oder typisch weiblich handeln – und kommunizieren.

„Typisch“ heißt jedoch nichts anderes, als das, was wir irgendwann einmal als weiblich und männlich im Hinblick auf die Geschlechterrollen definiert haben. Kommunikation selbst ist neutral. Stellen Sie sich Kommunikation als Klaviertastatur vor, eine Vielzahl von schwarzen und weißen Tasten über mehrere Oktaven. Sie reicht von ganz dunklen Tönen bis hin zu ganz hellen, von warmen zu schrillen. Und es kommt natürlich darauf an, wie und was gespielt wird – in welcher Tonart, laut oder leise, eine gefühlvoll Ballade oder eher ein schneidiger Marsch. Lassen Sie uns nun die obere Hälfte der Klaviertastatur als typisch weiblich und die untere als typisch männlich definieren – passend zur Stimmlage. Schubladendenken? So sind wir Menschen gestrickt. Deshalb definieren wir Geschlechterrollen, definieren, was Gut und was Böse ist. Jeder kommt mit einem größeren oder kleineren Teil dieser Klaviertastatur auf die Welt, einen Bruchteil davon bildet er aus. Welchen, das bestimmen frühkindliche Prägungen und persönliche Erfahrungen. Schule und Ausbildung erweitern das persönliche Kommunikationsmuster bestenfalls. Die Chance, dass sich dieses persönliche Kommunikationsmuster vor allem irgendwo in der Mitte ansiedelt und dabei Bereiche des jeweils anderen Geschlechts miteinschließt, ist groß.

Was heißt das für Juristen?

Dreierlei:

  1. Fest steht, dass juristische Berufe Kommunikationsstärke erfordern. Um bei der Klaviatur zu bleiben: Ein guter Jurist sollte in überdurchschnittlich vielen Oktaven nicht nur tastensicher sein, sondern virtuos darauf spielen können. Fest steht aber auch, dass Kommunikation weder in der juristischen Ausbildung noch später beim Einstieg in das Berufsleben gelernt oder trainiert wird.

2. Was uns Juristen jedoch unsere Arbeit erschwert, ist die Tatsache, dass sich die Gesellschaft gerade in den letzten Jahrzehnten im Hinblick auf die männliche und weibliche Rollenverteilung rasant entwickelt hat, weg vom klassischen Patriarchat, aus dem jedoch noch unsere Gesetze entstammen und welches sie oft noch deutlich abbilden. Wie beispielsweise der veraltete Kranzgeld-Paragraph. Mittlerweile steht selbst ein Mordmerkmal wie Heimtücke auf dem Prüfstand, weil es Frauen benachteilige. Zur Überbrückung dieser ungleichen Entwicklung, bleibt uns Juristen bis zur Modernisierung im Moment oft nur die Auslegung und das Ermessen als einziges Korrektiv.

3. Letztlich geistern aber auch die althergebrachten Rollenbilder zu Streitverhalten und Autorität immer noch bewusst oder unbewusst durch die Köpfe. Eine streitbare Anwältin kann da schon mal als „Zicke“ oder „Mannweib“ wahrgenommen werden – ihr Kollege hingegen als „kämpferischer Gewinnertyp“.

Wieviel Weiblichkeit verträgt unser konservatives Berufsbild vom Anwalt?

Macht es einen Unterschied, ob ein Anwalt oder eine Anwältin einen Mandanten vertritt, ein Richter oder eine Richterin eine Sache entscheidet? Ja, nämlich dann, wenn das Kommunikationsmuster einen anderen Bereich bespielt. Und so wie es in der Gesellschaft bei Gender Equality auch immer um Gender Diversity geht, muss der Unterschied zwischen den Geschlechtern eben auch im Rechtssystem spürbar sein.

Gut, dass die Zahl der zugelassenen Anwältinnen in den letzten Jahren von 33 Prozent auf 41 Prozent gestiegen ist. Und zwar nicht nur in Deutschland. Die Zahl der Studentinnen im Fach Rechtswissenschaft liegt nach einer Studie des Deutschen Anwaltvereins von 2013 schon jetzt bei 60 Prozent. Gut auch, dass die Arbeitsgemeinschaft der Anwältinnen im DAV im vergangenen Jahr bereits eine Frauenquote für Referentinnen in der Deutschen Anwaltsakademie durchgesetzt hat. Um so besser, dass es nun PANDA University Law auch für junge Juristinnen gibt (mehr dazu unten).

Gemischte Entscheiderteams, in denen die Frauen nicht mehr selbstverständlich die Themen Personal und Eventorganisation übernehmen, Rechtsbereiche, die nicht mehr ausschließlich von Kollegen oder Kolleginnen beackert werden, und Netzwerke, in denen sich Kollegen mit Kolleginnen austauschen, führen zu einem neuen Verständnis innerhalb der Anwaltschaft. Und dem Bewusstwerden, dass Kommunikationsstärke in der gesamten Bandbreite erlernbar ist und erlernt werden muss, um erfolgreich zu sein. Hat das Auswirkungen auf Hierarchien innerhalb von Kanzleien? Ja. Kann dies Streitkultur verändern? Absolut. Wer heute beim „Gender Shift“ und der Veränderung des anwaltlichen Berufsbildes immer noch allein an Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Home Office und Work-Life-Balance denkt, verkennt, dass die nächste Generation an Juristen dies insgesamt einfordern wird.

Leider bleibt es noch allzu oft beim bloßen „Gendern“, bei der Verpackung eben, ohne auf den Inhalt zu schauen. Damit liegt es an uns, den Anwältinnen und Anwälten, ob es einer Frauenquote für Anwaltskanzleien bedarf oder nicht.

In diesem Sinne!

Herzlichst,

Ihre Dr. Geertje Tutschka

PS: CLP ist stolzer Sponsor eines Business-Coachings für die Gewinnerin des diesjährigen PANDA Contests für junge Anwältinnen. PANDA, University Law, unterstützt junge Juristinnen auf dem Weg zu ihrer Führungsrolle in der Rechtsbranche. Mit dem Workshop „Zicke? Mannweib? Gender Diversity in der Kommunikation. Wie ich sie als Juristin klug nutze“ präsentiert sich Frau Dr. Tutschka als Rechtsanwältin und Kommunikationstrainer für Anwälte und Juristen am 27.11.2015 in Wiesbaden.

Jura-Studentinnen, die das 1. Staatsexamen bereits absolviert haben, Juristinnen im oder kurz nach dem Referendariat und Juristinnen mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung können sich noch bis zum 09.11.2015 bei www.we-are-panda.com bewerben.

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Vergleichen? Ja Bitte!

Gerade komme ich vom Coachingtag in Berlin. Intensive und inspirierende Tage mit den besten Coaches Deutschlands – Coaches, die seit 10 oder 20 Jahren mit aller Leidenschaft und erfolgreich mit Executives und Managern der deutschen Wirtschaft arbeiten. Ich bin Anwaltscoach und verglichen mit ihnen Anfänger: arbeite ich doch erst seit knapp vier Jahren als professioneller Coach mit meinen Kollegen.

Da kam mir der Artikel von Sonja Kreye im online Magazin EditionF gerade recht, deren Veröffentlichung sie hier an dieser Stelle freundlicherweise zustimmte:

„Zugegeben: Auch mich ziehen Vergleiche mit anderen – erfolgreichen – Menschen an manchen Tagen runter. Was auch immer „erfolgreich“ dabei heißt. Genauso oft ist der Vergleich für mich aber auch Ansporn. Dieser Text ist ein Plädoyer dafür, Wettbewerb nicht immer so negativ zu sehen.

Was machen Vergleiche mit uns?

Was auch immer „Erfolg“ für jeden selbst bedeutet: Wir sind alle nur Menschen. In guten Zeiten und wenn wir uns selbst erfolgreich fühlen, macht uns der Vergleich mit anderen erfolgreichen Menschen überhaupt nichts aus. An schlechten Tagen ziehen uns Vergleiche runter.

Nicht selten fragen wir uns beim Vergleichen jedoch auch, warum wir selbst noch nicht so weit sind, warum der oder die andere hat, was wir nicht haben und wie wir selbst eben auch unsere Ziele erreichen. Und genau das ist für mich ein großer Ansporn, weiter zu machen, neue Wege auszuprobieren, sich noch nicht mit dem Erreichten zufrieden zu geben und eben genauso erfolgreich zu werden (wie wir zwar nicht genau wissen, aber meinen, dass die andere Person es ist).

Ich plädiere dafür, den Vergleich und den Wettbewerb durchaus mal sportlich zu sehen. Aus meiner aktiven (aber längst abgeschlossenen) Sportlerkarriere nehme ich für mich mit, dass Wettbewerb sehr spannend sein kann. Und ich gebe zu: Ich liebe das Gewinnen.

Wer nicht gewinnt, verliert nicht gleich. Vergleichen kann auch anspornen!

Gewinnen heißt außerhalb des Spielfeldes ja nicht, dass unbedingt ein anderer verloren hat oder geschlagen wurde. Gewinnen heißt, das zu erreichen, was man sich selbst vorgenommen hat.

Ich würde mich freuen, wenn viele weitere Kollegen Vergleich und Wettbewerb als Ansporn nutzen. Und den Wettbewerb eben sportlich sehen. Im Rahmen eines solchen Wettbewerbs lässt es sich nämlich auch hervorragend kooperieren. Wenn denn die eigenen Ängste, die mit dem Vergleichen auch immer einhergehen, erst mal abgelegt werden.

Erfolgreich sein heißt daher für mich auch immer, über sich selbst hinaus zu wachsen, die eigenen menschlichen Ängste zu überwinden und das Leben und das Business einfach mal wieder sportlich zu sehen.“

Sportlich sehen also: Was mich mit meinen Coach-Kollegen verbindet und wo wir uns gleichen, ist unsere Professionalität als ICF-Coach und unsere Verpflichtung zu international festgelegten Qualitätsmerkmalen und Werten. Was mich jedoch unterscheidet ist meine Zielgruppe: meine Anwälte und Juristen, die noch bis vor wenigen Jahren als uncoachbar galten. Eine Fehleinschätzung. Und heute nach fast vier Jahren Anwaltscoach bin ich als Anwalt der einzige zertifizierte ICF-Business-Coach und der einzige, der ausschließlich mit Anwälten und Juristen arbeitet. Und ich liebe es! Verglichen mit meinen Coach-Kollegen bin ich als Anwaltscoach ein „alter Hase“. Auch wegen meiner 15 Jahre eigenen Erfahrung als Anwältin.

Als einer der Senior-Coaches seine Keynote in Berlin mit den Worten eröffnete: „Warum ich so erfolgreich Executive coache? Ich war selber jahrzehntelang Executive und liebe sie einfach!“, dachte ich: „Bingo. Dann habe ich ja alles richtig gemacht!“.

Vergleichen? Aber Ja: denn nur dann sind die feinen Unterschiede zu erkennen, auf die es so oft ankommt. Nicht wahr?!

Und nicht zuletzt: wir Anwälte lieben das Vergleichen ohnehin – nicht nur wegen der dann entstehenden Vergleichsgebühr. Mehr als fünfzehn Jahre als Anwältin hat in mir das Wort „Vergleich“ aber fest als Fachbegriff für eine „Einigung“ auch inhaltlich damit verbunden. Vergleichen muss also nicht immer Konkurrenz bedeuten, sondern kann auch ein „Einig-Sein“, ein „Miteinander-Sein“ sein – um mit Sonja beim Sport zu bleiben: ein Zusammen-in-die-Zielgerade-einbiegen.

In diesem Sinne – Lasst uns vergleichen!

Herzlichst,

Ihre Dr. Geertje Tutschka

PS: Möchten Sie wissen wo Sie stehen? Was Ihr Unterscheidungsmerkmal ist? Dann freu ich mich über Ihre Nachricht unter office@coachingforlegals.com (Infos hier).

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Der Coaching (Wahn)Sinn

„Die Arbeitsleistung steigern, Führungskompetenz entwickeln, neue Fähigkeiten einüben: Um berufliche Ziele zu erreichen, gilt Coaching als probates Mittel. Zunehmend beauftragen auch kleine und mittelständische Unternehmen, öffentliche Behörden, Bildungsträger oder Krankenhäuser Coaches. In Deutschland arbeiten derzeit etwa 8.000 Coaches. Der Branchenumsatz liegt in Deutschland pro Jahr bei 450 Millionen Euro. Weltweit werden mit den Fortbildungen jährlich 1,9 Milliarden Dollar umgesetzt. Damit stehen wir nach den USA und Großbritannien weltweit auf Rang drei. Coaching ist der Megatrend der Weiterbildung.“

Der deutsche Fernsehsender 3sat bringt es in der Beschreibung zu seiner Wissenschaftsdokumentation „Coachingwahn“ vom 01.10.2015 auf den Punkt (hier ansehen): An Coaching kommt heute keiner mehr vorbei. Was in den 90er Jahren als Trend aus den USA kommend hier in Deutschland zunächst auf Skepsis stiess, hat sich heute längst auch in der deutschen Wirtschaft, Bildung und Beratung etabliert. Arbeitgeber wissen es als Problemlöser zu schätzen. Kunden bestätigen „Coaching hilft“. Bachelor- und Diplomarbeiten beweisen die Wirksamkeit von Coaching empirisch.

Soweit die dargestellten Zahlen und Fakten; soweit so gut.

Und doch zieht sich durch die „Wissenschaftsdoku“ ein fahler Beigeschmack wie schon der Titel der Sendung mit „Coachingwahn“ erahnen lässt: vermutlich wäre es kein deutsches Bildungsfernsehen, würde der „kritische“ Blick auf diese Erfolgsgeschichte fehlen.

Richtig ist zwar, dass Coaching kein akademisches Studienfach ist – das war Psychologie bis vor 150 Jahren auch nicht. Es gilt als Weiterbildung, die meist auf einen bereits vorhandenen akademischen Abschluss erfolgt. Eine Coachingausbildung dauert im Durchschnitt 200 Stunden, umfasst Theorie- und Praxiseinheiten, kostet ca. 5.000€ und muss fortlaufend durch Weiterbildungen erneuert werden. Die  Gewerbeaufsicht, Industrie- und Handelskammern sowie Verbraucherschutzverbände haben klar definiert, wer sich unter welchen Voraussetzungen Coach nennen und als solcher arbeiten darf. Viele der Berufsverbände für Coaches, wie etwa die „Internationale Coach Federation“ (ICF) mit 15.000 Mitgliedern weltweit, die an diesem Wochenende in Berlin ihr 20-jähriges Bestehen feiert, haben sich selbst freiwillig noch strengeren, transparenten und international einheitlichen Qualitätsstandards unterworfen. Coachingstunden kosten je nach Thema und zugrunde liegender beruflicher Qualifikation des Coaches ab 75 €, weniger als eine Klavierstunde oder eine Handwerkerstunde (wie beispielsweise für einen LernCoach für Kinder, der das individuelle Lernprofil ermittelt und Lernerfolge durch Ausbau der Lernstärken erzielt).

Die in der Dokumentation beschriebene Gefahr, dass sich also jeder nach einem Wochenendkurs für 300€ Coach nennen darf und als solcher für teuer Geld arbeitet, besteht wohl kaum. Für den Kunden gilt hier dasselbe wie bei jeder anderen Dienstleistung: „Trau Schau Wem“.

Um dem geneigten Zuschauer in den 45 Minuten Sendezeit nicht mit nüchternen Fakten und Kritik zu langweilen, fügte der Verfasser farbenfrohe Bilder von schamanischen Feuerzeremonien, hypnotischen Pendelbewegungen und Figuren-Aufstellungen ein; Szenen wie man sich in Deutschland Anfang der 90er Jahre Coaching vorstellte, als sich allenfalls Therapeuten dieser neuen Methode zuwandten. Heute wird in nahezu allen Berufsverbänden für Coaches Coaching strikt zu Therapie, Beratung, Training, Mediation und Lehre abgegrenzt: Der Coach unterstützt und beschleunigt die Steigerung des persönlichen und professionellen Potentials des Coachees, wobei die Ergebnisse des Coachings allein aus den Entscheidungen und Handlungen des Klienten herrühren (Definition des ICF). Der Coach berät nicht, er vermittelt nicht und er bringt nichts bei. Der Coach ersetzt keine ärztliche Diagnose und arbeitet nur mit gesunden Klienten. Ideen aus der Esoterik oder Scientology sind ausdrücklich nicht Bestandteil von Coaching. Aber Berufsverbände kamen in der Dokumentation nicht zu Wort. Dann hätte auch der gerade erst im Frühjahr 2015 verabschiedete einheitliche „Coachingstandard“ des RTC – dem Round Table der zehn größten deutschen Berufsverbände für Coaches – erwähnt werden müssen. Ebenso wie der Leitfaden zum Qualitätsmanagement im Einzelcoaching des ICF.

Dennoch hört man den Sprecher im Hintergrund besorgt resümieren: „prinzipiell kann jeder als Berater tätig werden und deshalb gibt es in der Branche auch viele schwarze Schafe“. Schade, dass sich 3sat mit „Coachingwahn“ so wenig Mühe gegeben hat und gedankenlos über „diesen Megatrend der Weiterbildung“ schlecht recherchierte Halbwahrheiten, garniert mit Polemik als „3sat-Wissenschaftsdokumentation“ ausstrahlt.

Der Erfolgsgeschichte des Coachings, dem „Coachingwahn“ wird es keinen Abbruch tun. Allenfalls dem Namen des Senders. Denn im Journalismus ist es wohl wie im Coaching: entweder man arbeitet professionell, Werten und Qualität verpflichtet – oder eben nicht.

In diesem Sinne –

Herzlichst,

Ihre Dr. Geertje Tutschka

PS: Haben Sie Fragen zu Coaching oder den ICF-Qualitätsstandards? Dann freu ich mich über Ihre Nachricht unter office@coachingforlegals.com (Infos hier).

Am Besten testen? Auf geht´s zur kostenfreien Coaching – Discovery Session (Infos hier).

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Choose your Battles, Teil 2

Die Deutsche Einheit jährt sich in diesem Jahr zum 25. Mal!

25 Jahre, die mein Leben in eine völlig andere Richtung wiesen. Als am 03. Oktober 1990 aus der DDR und der BRD wieder ein deutscher Staat wurde, waren viele von uns voller Hoffnung. Immerhin waren wir  wiedervereinigt und nun sollte zusammen wachsen, was zusammen gehörte.

Endgültig vorbei die Zeit, in der jeder Bootsausflug im Sommerurlaub an der Ostsee bei plötzlichem Wetterumschwung zum politisch-riskanten Manöver wurde. Vorbei die Nächte am Rande von Berlin, in denen wir nachts wegen der Schüsse nicht schlafen konnten, über die wir am nächsten Tag nicht reden durften. Verschwunden sind die Barrieren – die bürokratischen wie die aus Beton und Stacheldraht – die die Grenzdörfer abschirmten und das ohnehin kleine Land mit dem kilometerweiten Grenzstreifen noch kleiner machten.

Das Wild – so war erst kürzlich zu lesen – meidet diesen Grenzstreiten immer noch und wechselt nur vereinzelt die Seiten. Bei den Menschen ist das wohl zum Teil ebenso – auch noch nach 25 Jahren.

Auch mich hat es mit der Maueröffnung nicht wirklich fort gezogen. Doch was mich faszinierte war das vertragliche Konstrukt der Wiedervereinigung: der Vertrag, der aus zwei Staaten wieder einen machen sollte. Das wollte ich verstehen. Und so schrieb ich mich für Rechtswissenschaften in den alten Bundesländern ein, denn zu diesem Zeitpunkt waren die rechtswissenschaftlichen Fakultäten an den ostdeutschen Universitäten in Auflösung begriffen: das bisherige Studium gab es nicht mehr, Professoren waren entlassen, Bibliotheken unbrauchbar. An meiner Universität in NRW waren die Vorlesungen auf Montag bis Donnerstag begrenzt worden, damit die Professoren von Freitag bis Sonntag in den neuen Bundesländern unterrichten konnten. Eine spannende Zeit. Und viele meiner Fragen konnten mit Professoren wie Hans-Jürgen Papier beantwortet werden.

Mit dem Jurastudium entwickelte sich aus meiner Oppositionshaltung eine Konsenshaltung: ich erkannte, dass es keine Kunst war, dagegen zu sein. Aber es war eine Kunst, Gegner an einen Tisch zu bekommen und zum miteinander Reden zu kriegen; aus widerstreitenden Interessen und unterschiedlichen Kräften ein einheitliches, ausgewogenes Konstrukt, eine Vereinbarung zu kreieren, das Konflikte auflöst.

Das war meine „Baustelle“, meine „Battle“ und die ist es bis heute: als Anwältin für Vertragsrecht.

Haben Sie schon IHRE Herausforderung gefunden? Was ist Ihre „Battle“? Was treibt Sie an?

Formulieren Sie sie laut und deutlich. Und wählen Sie Ihren ganz persönlichen Weg; egal wie oft Sie dieser Weg in die Irre führt, Sie stolpern oder Umwege gehen müssen. Bis der Tag kommt, an dem dieses unerwartete, unplanmäßige und unvorbereitete Ereignis eintritt und Ihr Leben für immer verändert: Sie haben Ihr Ziel erreicht.

In diesem Sinne: Choose your Battles!

Herzlichst,

Dr. Geertje Tutschka

PS: Wenn Sie Ihr Ziel nicht finden können oder Sie professionelle Unterstützung bei der Erreichung Ihres Zieles, dem Weg brauchen, dann kann Coaching oder Mentoring Ihnen eine gute Hilfe sein: Probieren Sie eine kostenfreie Coaching – Discovery Session (alle Infos dazu hier). Für Angebote abonnieren Sie meinen kostenfreien eNewsletter unter http://www.coachingforlegals.com. Auf Sie wartet dort unser TIME SAVER als kleines Dankeschön.

PPS: Meine Erlebnisse in den letzten Tagen der DDR sind übrigens in meinen Roman „Fern der Heimat so nah“ eingeflossen. Mehr dazu hier.

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Internationaler Tag der Mädchen – Day of the Girl

Empowerment of and investment in girls are key in breaking the cycle of discrimination and violence and in promoting and protecting the full and effective enjoyment of their human rights” (United Nations Resolution 66/170- mehr dazu auf www. dayofthegirl.org)

Heute wird zum dritten Mal der Internationale Tag zur Unterstützung der Gleichstellung von Mädchen begangen. Die Vereinten Nationen bestimmten diesen Tag, um darauf aufmerksam zu machen, dass trotz aller Fortschritte in den letzten Jahren und Jahrzehnten wir immer noch weit davon entfernt sind, dass Mädchen die gleichen Rechte und Voraussetzungen für ein glückliches Leben haben wie Jungen – Damit wir uns immer daran erinnern, dass wir noch nicht am Ende des Weges angekommen sind. Damit das Thema Gender Diversity weiter diskutiert wird.

„Women are the world’s most underused resource.“ Hillary Rodham Clinton

Anlass genug, es auch hier zum Thema zu machen:

Würden Sie Ihrer Tochter, ihrer Schwester, Ihrer Nichte empfehlen, Anwältin zu werden? Würden Sie sie ermutigen, im Jurastudium zu den Besten zu zählen, um Richterin oder Staatsanwältin zu werden? Würden Sie Eigenschaften wie Kämpfertum, Streit- und Diskutierfreude, Führungsanspruch bei ihr fördern und unterstützen?

Und fragen Sie sich manchmal, ob der Fall anders entschieden worden wäre, wenn statt der Richterin ein Richter entschieden hätte oder wenn statt des Anwaltes auf der Gegenseite eine Anwältin gestanden hätte?

Ist es ein Unterschied, ob man Jurist oder Juristin ist? Man möchte meinen „nein“ – es stehen sowohl Frauen als auch Männern die Türen der juristischen Fakultäten offen. In der Tat studieren heute ebenso viele Männer wie Frauen Jura bzw. Jus. Doch das ist erst seit ca. 65 Jahren möglich! Obwohl das juristische Studium eines der ersten an den alten Universitäten neben Medizin und Mathematik war, wurde es Mädchen erst nach langen Kämpfen in den 20er Jahren des 20.Jahrhunderts gestattet, was jedoch durch die Nationalsozialisten nur wenige Jahre später faktisch wieder aufgehoben wurde. So ist es also erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, seit den 50er Jahren möglich, dass sowohl junge Männer als auch Frauen Juristen werden, also erst seit 65 Jahren. Hatte dies Einfluss auf den juristischen Beruf und wenn ja welchen? Heißt das, dass nahezu ebensoviele Frauen wie Männer Anwälte, Richter und Wirtschaftsjuristen sind; sich mit dem Generationenwechsel also auch die Juristinnen etablieren konnten? Oder spiegeln die juristischen Berufe ebenso wie die Wirtschaft ein Gender-Ungleichgewicht wieder, so dass hier die nächste Quotenregelung diskutiert werden könnte?

Fakt ist, dass das ausgewogene Verhältnis der Studienabsolventen nur zum Teil im juristischen Beruf abgebildet ist. Fakt ist auch, dass es länderspezifische Unterschiede gibt. Fakt ist aber auch, dass das Thema Gender Diversity gerade in diesem Jahr ein vieldiskutiertes im Zusammenhang mit dem juristischen Beruf ist: So fand im Mai in Berlin durch den DAV erstmals das Forum „Women Leader Today and Tomorrow – Anwältinnen, Unternehmerinnen, Entscheiderinnen“ statt und im September in Washington die Konferenz der Wirtschaftsjuristinnen mit dem Thema „Women, Influence and Power in Law“. Die Anwältinnen des DAV erkämpften im Frühsommer eine freiwillige Verpflichtung der Deutschen Anwaltsakademie zu einer Referentinnenquote von 30% und auf dem Östereichischen Anwaltstag in Hall in Tirol präsentierte sich die neue Arbeitsgruppe des ÖRAK (Österreichischer Rechtsanwaltskammertag) erstmals mit dem Workshop „Jurist oder Juristin – (k)ein Unterschied“. Erfreulich war nicht nur, dass dieser Workshop ausgebucht war, sondern auch, dass es nahezu gleichviele männliche wie weibliche Teilnehmer gab! Grund genug, dieses Thema nun auch mit einer größeren Runde zu diskutieren: Er wird im Dezember kostenlos als einstündiges Webinar (online-Seminar) angeboten werden. Den genauen Termin und weitere Infos bekommen Sie unter www.coachingforlegals.com mit meinem kostenlosen eNewsletter.

Gender Diversity ist also auch bei CLP – Coaching for legal professionals – ein Thema und zwar nicht nur in Workshps und Seminaren: Tatsächlich verzeichneten wir gerade im letzten Jahr einen Anstieg der weiblichen Klientinnen – Juristinnen, Anwältinnen, Studentinnen, die sich Unterstützung holten in ihren ganz persönlichen alltäglichen Herausforderungen. So wie die Studentin, die noch vor dem ersten Staatsexamen sich nicht nur über berufliche Optionen und die jeweilige Vereinbarkeit mit Familie informieren möchte, sondern mit uns ihre ganz persönliche Strategie für ihre Karriere entwickelte, die Erfolg im Beruf und das Erreichen bestimmter Positionen und Titel ebenso einschließt wie Ehe und Kinder. Warum es dem Zufall überlassen und am Ende des Weges feststellen, dass wesentliche Dinge auf der Strecke geblieben sind oder sich die Investition in das erfolgreiche Absolvieren des Studiums am Ende nicht ausgezahlt hat? Oder wie die Anwältin, die erfolgreich in einer Großkanzlei „ihren Mann steht“, jedoch seit Jahren vergeblich versucht, ihr Privatleben damit zu vereinbaren, jedes Wochenende zu ihrem Partner pendelt und ihren Kinderwunsch einfach nicht realisieren kann – ohne medizinische Indikation… Frau-zu-sein, so erzählt sie, hatte sie sich schlicht abgewöhnt.

Jurist oder Juristin  – (k)ein Unterschied?: Wählen Sie sich in mein Webinar, erfahren Sie die aktuellen Fakten und diskutieren Sie mit!

Wie Sheryl Sandberg, COO von Facebook, Aurorin des Bestsellers „Lean In – Frauen und der Wille zum Erfolg“ und Gründerin des Frauennetzwerkes „Lean In“ sagt: „Dies ist erst der Anfang der Debatte… Der Marsch geht weiter… Er zieht durch die Foyers von Regierungen, Unternehmen, Unversitäten, … Anwaltskanzleien, egal ob groß oder klein… und wird erst enden, wenn es keine weiblichen Führungskräfte mehr gibt – sondern nur noch Führungskräfte.“

Ein wichtiges Zeichen ist hierbei die aktuelle Verleihung des Friedensnobelpreises an die 17jährige Malala Yousafzai, die sich trotz Mordanschlag weiter für das Recht auf Bildung für alle Mädchen und Frauen einsetzt. Herzlichen Glückwunsch!

Und nun werde ich es für heute gut sein lassen und mit meinen drei Mädchen hinaus in die Herbstsonne gehen.

Herzlichst,Dr. Geertje Tutschka

PS: Bleiben Sie dran und lesen Sie im nächsten Beitrag endlich die Auswertung unserer Abstimmung!

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